Rock-Mythen: Jimi Hendrix – Todesfall in Notting Hill

Am 18. September 1970 starb Jimi Hendrix in einem Londoner Hotel. Die Todesursache war schnell geklärt. Fragen aber blieben: Wer trug Schuld an seinem Tod? War es Selbstmord, unterlassene Hilfeleistung, womöglich sogar Mord? Bis heute gibt das Ende des 27-jährigen Ausnahmegitarristen Rätsel auf.

Er war der Voodoo-Meister der jungen Rockkultur, ihr Guitarero Furioso, musikalischer Botschafter, Paradiesvogel und sanftäugiger Sexgott in Personalunion. Mit Hits wie ›Hey Joe‹ und ›Purple Haze‹ war er berühmt geworden, und mit Live-Shows, bei denen er die Gitarre mit den Zähnen traktierte, hatte er ein Millionenpublikum elektrisiert. Auch hierzulande befand sich Jimi Hendrix im Sommer 1970 auf dem Höhepunkt seiner Popularität. Der Woodstock-Film war gerade angelaufen, und kurz darauf hatte der US-Amerikaner zwei Konzerte in der Bundesrepublik gegeben, darunter am 6. September das denkwürdige beim Festival-Fiasko auf Fehmarn. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt.

Zwölf Tage später, am 18. September 1970, fand man Hendrix tot in einem Hotelzimmer in London auf. An neuen Songs und Projekten hatte er arbeiten wollen, auf dem Plan standen Kollaborationen mit den Artrockern Emerson, Lake & Palmer sowie mit dem Jazzarrangeur Gil Evans. Am 15. September noch hatte Hendrix in Ronnie Scott’s Jazz Club mit Eric Burdons neuer Band War gejammt. Den 17. September hatte er größtenteils mit seiner Freundin, der blonden deutschen Ex-Eiskunstläuferin Monika Dannemann verbracht. Am Nachmittag hatte sie ihn im Hotel mit seiner Gitarre fotografiert, anschließend waren beide zu einer Shoppingtour nach Chelsea aufgebrochen. Es folgte die Nacht, die Jimi Hendrix nicht überleben sollte.

Was genau in den Stunden bis zum Morgen geschah, ist bis heute nicht zweifelsfrei rekonstruiert. Festzustehen scheint lediglich, dass Hendrix und Dannemann irgendwann am späten Abend ins Hotel Samarkand zurückkehrten, wo der Gitarrist ein Bad nahm, bevor ihn Dannemann gegen zwei Uhr in der Nacht zu einer Party fuhr. Eine Stunde später war Hendrix wieder im Hotel. Laut Dannemann, die ihn als Letzte lebend gesehen hat, aß er noch ein Thunfisch-Sandwich, trank Rotwein und nahm am frühen Morgen Schlaftabletten, da er wegen zuvor eingenommener Amphetamine nicht einschlafen konnte.

Am nächsten Vormittag habe sie Zigaretten geholt und Hendrix bei ihrer Rückkehr friedlich schlafend vorgefunden. Da, so Dannemann, war er noch lebendig. Als sie ihn später zu wecken versuchte, habe er jedoch nicht auf sie reagiert, woraufhin sie es mit der Angst zu tun bekam. Statt eine Ambulanz zu alarmieren, rief sie aber erst einmal Hendrix’ Freund Eric Burdon an, um ihn nach einem vertrauenswürdigen Arzt zu fragen, der eine diskrete Behandlung der Sache garantieren könne. Burdon sagte aus, dass er zunächst nicht beunruhigt gewesen sei und ihr Ins­truktionen erteilt habe, wie sie Hendrix wach bekommen könne. Wenig später aber hätten bei ihm „die Alarmglocken geschrillt“, woraufhin er Dannemann dringend gebeten habe, einen Krankenwagen zu rufen.

Die offizielle Darstellung der weiteren Geschehnisse liest sich so: Am Freitag, dem 18. September, ging vormittags um 11.18 Uhr ein Notruf beim London Ambulance Service ein. Eine Frau gab an, dass sich in einem Apartment im Samarkand Hotel, 22 Landsdowne Crescent, Notting Hill, eine leblose männlichen Person befinde. Daraufhin wurde ein Rettungswagen geschickt. Er traf um 11.27 Uhr am Samarkand ein. Die Sanitäter Reg Jones und John Saua fanden Jimi Hendrix in dem angegebenen Apartment auf dem Bett liegend vor. Die Tür stand offen, von der Frau keine Spur.