Rival Sons: Am Fuße des Mount Everest

Rival Sons 2014 (6)Mit HOLLOW BONES gelingt es den kalifornischen Classic Rockern, sich selbst neu zu erfinden. Statt gängige Klischees zu bedienen, vertrauen sie ihrem Bauchgefühl. Und das hat sie bis jetzt noch nicht getäuscht. Sänger Jay Buchanan ist zu Recht stolz auf seine Band.

Und schon wieder ist ein Zyklus vorüber, sind zwei Jahre vergangen seit dem letzten Rival-Sons-Album. Und noch immer sind die Classic Rocker aus dem kalifornischen Long Beach so enthusiastisch wie während ihres ersten Europa-Trips zu PRESSURE & TIME im Frühjahr 2011. Auch wenn die Vorzeichen mittlerweile andere sind: Das Quartett be­­findet sich inmitten einer historischen Mission und supportet Black Sabbath auf deren Abschiedstour. Weltweit. Großes Rocktheater. Jeden Abend. Da kommt die kurze Promotion-Pause vor dem Abstecher nach Australien und Neuseeland gerade recht. „Es war ein verdammt anstrengendes Jahr“, bi­­lanziert dann auch Sänger Jay Buchanan, der inzwischen wie viele andere Rockmusiker auch in die Country-Hochburg Nashville gezogen ist. „Aber eigentlich war es in den letzten Jahren nicht anders, wir haben kaum eine Pause gemacht.“

Denn die Rival Sons sind eine Gruppe von Überzeugungstätern, deren Botschaft simpel ist: Die Rockmusik braucht frische Impulse. Oder wie es Buchanan vor fünf Jahren ausdrückte: „Die meisten neuen Bands spielen bloß Image-Rock, sie bedienen Klischees.“ Glaubwürdigkeit ist wichtig, die Musik des Senders muss von Herzen kommen, um beim Empfänger Emotionen auszulösen. Bis jetzt halten sich die Rival Sons erfolgreich an dieses aus dem Deutschunterricht bekannte Kommunikationsmodell.

Als sich drei Viertel der Band 2008 zu­­sammentun, haben ihre Mitglieder genügend Erfahrungen gesammelt: Scott Holiday, Bassist Robin Everheart und Drummer Mike Miley (Ex-Veruca Salt) firmieren zusammen mit Ex-Oleander-Sänger Thomas Flowers unter dem Namen The Black Summer Crash, deren einziges Album 2007 aber keine Beachtung findet; Singer/Songwriter Jay Buchanan ist als Solist unterwegs und in seiner Heimat Orange County eine bekannte Szene-Größe. Freunde von Scott empfehlen ihm nach dem Verlust des Plattenvertrages, einen an­­deren Sänger zu suchen, Jay hört ebenfalls, dass The Black Summer Crash einen neuen Frontmann benötigen. Es stellt sich sogar heraus, dass Mike zehn Jahre zuvor schon einmal mit Jay zusammen in einer Band gespielt hat. Per Internet kommt dann zu­­sammen, was zusammen gehört. Die Chemie stimmt auch später im Proberaum. Das honorieren die Fans: Der dritte offizielle Auftritt der neuen Besetzung unter neuem Namen findet im ehrwürdigen „Roxy“ statt, schon der vierte Gig im „House Of Blues“ auf dem Sunset Boulevard in West Hollywood ist ausverkauft.

2009 erscheint dann das Debüt. BEFORE THE FIRE erhält zwar gute Kritiken, aber der Erfolg ist äußerst überschaubar. Nach einem Jahr mit weiteren Live-Auftritten bekommen sie ein Angebot, das sie nicht abschlagen können: Das englische Metal-Label Earache will sie unter Vertrag nehmen. Und so nimmt eine Karriere ihren Lauf, die die Band bisher durch fast alle großen Arenen und kleinen Clubs geführt hat: Man tourt mit AC/DC, Alice Cooper, Kid Rock. Nach PRESSURE & TIME, dem Debüt für Earache, folgt mit HEAD DOWN 2012 ein erstes Ausrufezeichen Richtung Charts (in Deutschland Platz 38), die erste eigene Clubtour ist ebenfalls ausverkauft. Support-Slots mit so unterschiedlichen Bands wie Guns N’ Roses und Judas Priest zeigen, dass die Rival Sons enormes Crossover-Potenzial besitzen. Vor THE GREAT WESTERN VALKYRIE (2014) steigt Bassist Robin Everheart aus und wird durch Dave Beste ersetzt. Wieder geht es auf Gastspielreise (Halestorm, Lenny Kravitz, AC/DC, u.a.), die zunächst im Sommer 2015 endet.