Review: Van Morrison – ROLL WITH THE PUNCHES

van morrison roll with the punchesSouverän: Van the Bluesman.

Ziemlich genau ein Jahr hat sich der nordirische Barde Zeit gelassen seit KEEP ME SINGING – um nun mit ROLL WITH THE PUN­CHES so ziemlich das Gegenstück zum Vorgänger abzuliefern. Damals war es vollmundiger, wohliger Soul, jetzt ist es elektrischer Blues. Nur fünf der neuen Stücke hat Morrison selbst geschrieben. Der Titeltrack, ›Too Much Trouble‹, ›Ordinary People‹ und ›Fame‹ sind klassischer Blues(rock) – in letzterem philosophiert der Songschreiber im Duett mit Paul Jones über die korrumpierende Wirkung von Berühmtheit und über Andy Warhols Bonmot von den 15 Minuten Ruhm für Jedermann. ›Transformation‹ dagegen ist jene hymnische Mischung aus Soul und irischem Folk, wie Morrison sie vermutlich zu jeder Tages- und Nachtzeit aus dem Ärmel schüttelt. Die übrigen zehn Songs des Albums sind Co­­verfassungen etwa von Bo Diddley & Samuel Smith (›I Can Tell‹), Little Walter (›Mean Old World‹) oder Count Basie & Jimmy Rushing (›Goin‘ To Chicago‹). Für die Aufnahmen hat sich Morrison große Namen wie Chris Farlowe, Geor­gie Fame und Jeff Beck ins Studio geladen. Wa­­rum? Weil er es kann. Und man will hier nicht das Sprichwort von den vielen Köchen in den Mund nehmen, aber bei manchen Stücken wäre etwas weniger durchaus mehr gewesen. Nicht zuletzt Sam Cookes ›Bring It On Home To Me‹ klingt zwar beseelt und feierlich, ist mit fettem Background­chor, Hammond-Orgel und Gitarrensolo aber ein wenig überladen – zumal Morrisons eigene, raumfüllende Stimme ja auch noch da ist. Natürlich ist das dennoch alles nicht schlecht, ziemlich souverän auch, und die Aufnahmen waren sicher ein großer Spaß. Hier und da hätte halt etwas mehr Leichtfüßigkeit ganz gut getan, wenn mit dem Diddley-Beat von ›Ride On Josephine‹ der Vor­hang fällt.

7/10

Van Morrison
ROLL WITH THE PUNCHES
CAROLINE/UNIVERSAL