Review: The Pineapple Thief – YOUR WILDERNESS

The Pineapple Thief - YOUR WILDERNESS reviewAnspruchsmusik mit Kopfkino-Freikarte.

Manchmal ist das filmische Momentum eines Albums so stark, dass man selbst dann zu der Musik auf Reisen geht, wenn man eigentlich aufmerksam lauschen will. YOUR WILDERNESS von The Pineapple Thief ist ein Paradebeispiel für Anspruchskost mit cinematischem Effekt, ist ein Prog-Album, das dem Hörer dennoch die Kontrolle überlässt. Feingliedrig arrangierte, zerbrechlich wirkende und dabei sehr solide geschmiedete Stücke sind das, die einen Kern aus Sehnsucht, Fernweh und Nostalgie haben und sich mit ihrem bittersüßen Odor wunderbar zur fortgeschrittenen Tagträumerei eignen. Bruce Soords wohltuend zurückhaltender Gesang besänftigt und tröstet zugleich, mit ähnlich viel Besonnenheit und Zurückhaltung wurde YOUR WILDERNESS instrumentiert. Gast-Drummer Gavin Harrison brilliert mit dynamischem und dennoch meditativem Prog-Spiel, ein elegisches Streicherensemble, verhaltene Chöre und Supertramp-Bläser John Helliwells punktuelles Klarinettenspiel sorgen zusätzlich dafür, dass The Pineapple Thief nach MAGNOLIA den nächsten Schritt gehen. Der führt die Band einerseits tiefer hinein in die wohlig-warme Prog-Wildnis. Andererseits wird die Musik von einer melancholischen Leichtigkeit beseelt (Anathema, anyone?), die man seit der Bandgründung 1999 noch nie von den Engländern gehört hat. Schöne Entwicklung.
8/10

The Pineapple Thief
YOUR WILDERNESS
Kscope/Peaceville