Review: The Piggyback Riders – MIDNIGHT AT THE TENTH OF ALWAYS

piggyback ridersCharmanter Country-Pop.

Treffen sich ein Glamrocker, ein Punkproduzent und eine schwedische Hit-Sängerin und gründen… eine Country-Band. Unverhofft kommt oft, und wer sich diese ungewöhnliche Truppe genauer anschaut, kommt zu dem Schluss, dass sich ihre Mitglieder mit unerwarteten Wendungen auskennen. Sören ›Sulo‹ Karlsson tourte fast zwanzig Jahre und zehn Alben lang mit seiner Glam-Boogie-Band Diamond Dogs durch ganz Europa, landete nebenbei aber Erfolge als Songwriter für Punk-, Pop- und Country-Künstler. Der britische Gitarrist Chris Spedding war der Legende nach 1975 Mick Jaggers Wunschkandidat für die Nachfolge von Mick Taylor und produzierte jenes schicksalsträchtige Sex-Pistols-Demo, das den Punk-Ikonen zum Plattenvertrag verhelfen sollte. Karriere machte er aber nicht hauptsächlich als Rockstar, sondern als Studiogitarrist unter anderem für Sir Paul McCartney, Pete Townshend und Brian Eno. Idde Schultz ist im Background-Chor so einiger erfolgreicher Platten zu hören – ihr selbst war erst Mitte der 90er ein Hit vergönnt. Es liegt auf der Hand, dass die Piggyback Riders auch keinen klassischen Country liefern. Ihr handwerklich einwandfreier und durchwegs süffiger Sound ist charmant und bewegt sich zwischen Radiopop, ungestümem Pub-Rock und Breitwand-Americana-Sound. Das ist bisweilen mitreißend – verharrt aber streckenweise zu sehr im genretypischen Hang zum Kitsch.

6/10

The Piggyback Riders
MIDNIGHT AT THE TENTH OF ALWAYS
Wild Kingdom Records/Rough Trade

Text: Christoph Ulrich