Review: The Leather Nun – VIVE LA FETE! VIVE LA RÉVOLUTION

leather nunDie ruhmreiche Sowjetarmee kapitulierte vor einer Handvoll lärmender Schweden. Na ja, nicht ganz. Aber beinahe …

Natürlich, der Sound dieses Live-Mitschnitts könnte klarer, differenzierter oder, ganz banal gesagt, um einiges besser sein. Doch das soll beziehungsweise dürfte er gar nicht. Denn Jonas Almquist & Co. sind und waren nicht Bon Jovi. Eine Hochglanz-Produktion würde einfach nicht zu den Postpunk- und Garagenrock-Heroen passen, denen während ihrer bewegten Band-Geschichte wenig wichtiger war, als Authentizität. Und so dürfen wir hier wahrlich Historisches in bester Bootleg-Manier erleben. Die 45-minütige Aufnahme präsentiert die Göteborger 1988 auf dem Höhepunkt ihres Könnens. Das fantastische Album INTERNATIONAL HEROES war gerade veröffentlicht worden und der eigenwillige Fünfer fungierte im estnischen Tallinn als Co-Headliner des ersten internationalen Rock-Festivals auf sowjetischem Boden. Während vor den Toren des Geländes die Rote Armee mit Panzern auffuhr, feierten drinnen 100.000 junge Leute herrlich scheppernde Kracher wie ›I Can Smell You Thoughts‹, ›Dance Dance Dance‹ oder das brillant-düstere ›506‹ ab, als gäbe es kein Morgen. Nur zwei Monate später sollte Estland seine Unabhängigkeit erklären. Diese Disc ist aber nicht nur ein Zeitdokument, das die Relevanz einer der interessantesten, coolsten und rundherum geilsten Bands der späten 80er/frühen 90er zementiert. Sie funktioniert mit nahezu sämtlichen Top-Nummern der Schweden auch als großartiger Einstieg für all die armen Seelen da draußen, die The Leather Nun bisher nur vom Hörensagen kannten.

8/10

The Leather Nun
VIVE LA FETE! VIVE LA RÉVOLUTION
WILD KINGDOM/ROUGH TRADE