Review: The Beatles – 1962 THE AUDITION TAPES

beatlesKeine Chance: zwölf Songs, mit denen die Beatles beim Label Decca durchfielen.

In der Hoffnung darauf, für seine Li­­verpooler Schützlinge einen Schall­plattenvertrag zu ergattern, machte Beatles-Manager Brian Epstein 1961 diverse Trips nach London: Columbia, HMV, Pye, Philips und Oriole sagten allesamt ab. Für den 1. Januar 1962 organisierte Epstein ein Vorspielen bei Decca.

Roadmanager Neil Aspinall verfrachtete John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Pete Best am Silvesterabend 1961 in zehnstündiger, aufreibender Fahrt in die Hauptstadt. Am nächsten Morgen um 11 Uhr schlug das Quartett dann im Decca-Studio in West Hampstead auf. 15 Songs inklusive dreier Eigenkompositionen entstanden in unter einer Stunde im 2-Track-Mono-Format. Sor­fältig ausgewählt von Epstein, um Stilvielfalt zu demonstrieren. Assistent Mike Smith war im Auftrag von A&R-Manager Dick Rowe vor Ort. Abermals kassierten die Beatles eine Absage: „Gitarrenbands sind auf dem absteigenden Ast“, hieß es lapidar, und, noch besser: „Die Beatles haben im Show-Business keine Zukunft“. Stattdessen nahm Decca Brian Poole And The Tremeloes unter Vertrag.

1962 THE AUDI­TION TAPES versammelt auf 180-Gramm-Pressung im famosen Cover und mit Download-Code immerhin zwölf jener legendären Aufnahmen. Doch nicht nur Beatles-Aficionados dürften am runden Dutzend mit u.a. Buddy Hollys ›Crying, Waiting, Hoping‹, Consuelo Velázquezs ›Bésame Mucho‹, Chuck Berrys ›Memphis Tennessee‹, Phil Spectors ›To Know Him Is To Love Him‹, Gordy/Bradfords ›Money (That’s What I Want)‹, King/Goffins ›Take Good Care Of My Baby‹ sowie ›Searchin’‹ und ›Three Cool Cats‹ von Leiber/Stoller Gefallen finden. Präsentieren sich die Beatles doch zu jenem frühen Zeitpunkt als handwerklich ausgereifte Band. Schade nur, dass die Lennon-McCartney-Kompositionen ›Like Dreamers Do‹, ›Hello Little Girl‹ und ›Love Of The Loved‹ aus vertragsrechtlichen Gründen unter den Tisch fielen.

8/10

The Beatles
1962 THE AUDITION TAPES
CORNBREAD