Review: The Answer – SOLAS

answer solasDas Ende des Anfangs oder der Anfang vom Ende?

Sind das wirklich The Answer? Die­selbe Band, die 2008 und 2009 mit AC/DC durch die Stadien dieser Welt tourte? Dieselbe Truppe, zu deren Fans unter anderem Joe Elliott von Def Leppard und ein gewisser Jimmy Page zählen? Der Name auf dem Artwork sagt ja, die Musik nein. Klassischer Riffrock war gestern, heute sprengen The Answer Genregrenzen. Und veröffentlichen mit SOLAS (das gälische Wort für Licht) ihr sechstes Album. Es ist ein Neubeginn. Gegen Ende der Tournee zum Vorgänger RAISE A LITTLE HELL wird der Sohn von Sänger Cormac Neeson ganze drei Monate zu früh geboren. Die folgenden vier Monate werden für Neeson, seine Frau und das Kind zu einem Höllenritt aus multiplen Gesundheits­problemen, Operationen, Bluttransfusionen und einer ungewissen Zukunft. „Heaven lies too close to hell“, heißt es deshalb im feinen irischen Volkslied ›In This Land‹, einem der vielen Höhepunkte des Albums. Folk ist überhaupt das musikalische Thema von SOLAS. ›Battle Cry‹ ist irischer Folkrock im Stile ambitionierter Simple Minds und das vielleicht beste Stück des Werkes. ›Left Me Standing‹ erinnert an Springsteen, Thin Lizzy und The Police. Bei ›Being Begotten‹, einem ruhigen düsteren Blues, schimmert ›Mothers Of The Disappeared‹ von U2s THE JOSHUA TREE durch. „What the light don‘t fill, the darkness kills“ aus ›Solas‹ ist das Credo der Platte und trägt The Answer in die Moderne. Bombast bestimmt ›Beautiful World‹, während der Rauswerfer ›Tunnel‹ genau das Gegenteil verkörpert – Entschlackung ist angesagt. ›Untrue Colour‹ ist Pop pur, ›Demon Driven Man‹ erinnert am ehesten an die „alten“ The Answer. Ein ehrliches, mutiges und bravouröses Album, ein zeitlos spannendes, episches Prachtstück.

8/10

The Answer
SOLAS
NAPALM/UNIVERSAL