Review: Ten Years After – A STING IN THE TALE

Ten Years After A Sting In The Tale

Skepsis ist unbegründet: Gutes Spätwerk der Brit-Blues-Veteranen.

Ten Years Afters Dreh- und An­­gel­punkt war Alvin Lee, der mittlerweile bekanntlich verstorben ist. Auch Bassist Leo Lyons und Ersatzgitarrist Joe Gooch gehören nicht mehr zur britischen Blues-Rock-Le­gende, vom originalen Line-Up sind also nur noch Schlagzeuger Ric Lee und Organist Chick Churchill übrig. Was bei ergrauten Fans, die mit Großtaten wie UNDEAD, WATT und CRICKLE­WOOD GREEN aufgewachsen sind, zunächst eine Mischung aus Wehmut und Skepsis hervorruft, denn die Befürchtung, zwei noch wesentlich ergrautere Veteranen wollen einen eingeführten Namen bis zum bitteren Ende totreiten, ist ja nicht völlig aus der Luft gegriffen. Dass mit Bassist Colin Hodgkinson und „British Blues Award“-Preisträger Marcus Bonfanti zwei überaus fähige Musiker die aktuelle TYA-Inkarnation bereichern, lässt spontan hoffen. Dass ihr erstes gemeinsames Werk – zumindest streckenweise – derart inspiriert ausfällt, überrascht dann aber doch. In seinen besten Momenten ist A STING IN THE TALE nämlich in guter TYA-Tradition kei­ne bloße Sammlung virtuos gespielter Zwölf­takter, sondern wagt bei Stücken wie ›Iron Horse‹ und ›Miss Constable‹ melodisch und harmonisch einen Blick über den Blues-Teller­rand. ›Diamond Girl‹ erinnert vage an ›I‘d Love To Change The World‹ von A SPACE IN TIME, zitiert also Ten Years Afters Flirt mit dem Folk, ›Last Night Of The Bottle‹ ist ein rollender Shuffle mit starkem Riff. Sehr ordentlich also, was die älteren Herren da mit Bonfantis Unter­stützung auf die Beine gestellt haben.

7/10

Ten Years After
A STING IN THE TALE
BUTLER RECORDS/H‘ART