Review: Someday Jacob – EVERYBODY KNOWS SOMETHING GOOD

Someday Jacob Everybody Knows Something Good

Breitwand-Westcoast-Pop.

Der Höhepunkt kommt früh: ›Leaving New York‹, der erste Song auf dem dritten Someday-Jacob-Album, ist eins dieser aufs Wesentliche reduzierten Americana-Konzentrate, die im Kopf weiterlaufen, auch wenn die Nadel schon lang am Ende der Rille anklopft. Die Notiz, dass Sänger, Gitarrist und Songwriter Jörn Schlüter bei einem medizinischen Notfall in New York City fast ums Leben gekommen wäre, gibt dem Titel zusätzliche Tiefe – natürlich funktioniert das Stück auch so. Leider mündet die Scheibe alsbald in einen mit sehr kundiger Hand konstruierten Breitwand-Sound, der am US-Westcoast-Folk angelehnt, aber gleichzeitig auch zeitgemäß und radiokonform produziert ist. Überhaupt offenbart das Quartett aus dem deutschen Norden, das sehr nach amerikanischer Mitte klingt, hörbar tiefes lexikalisches Musikwissen. Es gedeiht ein wenig der Verdacht, dass ihm das auf die Distanz zum Verhängnis wird. Zwar taugt der hochglanzpolierte Gesamtsound wunderbar als stimmungsvolle Kulisse für lange Autofahrten oder als atmosphärische Untermalung fürs ausgedehnte Sonn­tagsfrühstück. Nimmt man aber den Opener als Messlatte, lässt sich mutmaßen, dass mit weniger „Stadion“ im Sound noch viel mehr drin gewesen wäre.

6/10

Someday Jacob
EVERYBODY KNOWS SOMETHING GOOD
HALDERN POP RECORDINGS/ROUGH TRADE

Text: Christoph Ulrich