Review: Randy Newman – DARK MATTER

dark matterDie Songwriter-Legende erklärt, was es mit den ›Putin Girls‹ auf sich hat.

Wenn ein nicht mehr ganz junger Künstler anfängt, seine besten Songs noch einmal in reduzierten Akustikversionen einzuspielen, ist das meistens kein gutes Zeichen. Und Randy Newman hat gleich drei Alben seiner SONGBOOK-Reihe veröffentlicht. Seine letzten regulären Studiowerke, BAD LOVE und HARPS AND ANGELS, waren 1999 und 2008 erschienen. Jetzt, erneut neun Jahre später, präsentiert der 73-Jährige eine Song­sammlung, für die man den Begriff „Alterswerk“ neu definieren muss. Statt einer melancholischen Abhandlung über die letzten Dinge, die sich Leonard Cohen mit YOU WANT IT DARK noch einmal abgerungen hatte, ist DARK MATTER – zumindest in den ersten drei Songs – ein Frontalangriff auf Gesellschaft und Politik. Hier beschäftigt sich Newman mit den großen Fragen von Evolutionstheorie bis Klimawandel – und wie sie von reaktionären Kräften abgetan werden; mit Wladimir Putin und dessen Verhältnis zu den ominösen ›Putin Girls‹; mit einem fiktiven Dialog der Brüder John F. und Robert Kennedy im Oval Office kurz vor der Ku­­bakrise, denn auch frühere US-Politiker waren keine perfekten Vorbilder. Bei Songs wie ›Sonny Boy‹ (eine elegische Abhandlung über den Blues-Sänger Sonny Boy Williamson und seinen Nachahmer) oder dem traurigen ›Wandering Boy‹ (in dem ein Vater über seinen abwesenden Sohn sinniert) entfalten sich dann doch sentimentale Untertöne. Diese sind aber so zugespitzt, dass man statt von „altersmilde“ eher von „altersradikal“ sprechen sollte.

7/10

Randy Newman
DARK MATTER
NONESUCH/WARNER