Review: Procol Harum – NOVUM

procol harum novumEin neues Lebenszeichen zum 50. Geburtstag.

Als Procol Harum 1967 gleich mit ihrem allerersten Song, ›A Whiter Shade Of Pale‹, einen nahezu weltweiten Nummer-1-Hit landeten, war das der Auftakt einer bemerkenswerten Karriere: Personell bis Anfang der 70er Jah­re halbwegs konstant, gelangen wahre Großtaten zwischen barockem Prog-Rock und elegantem, elegischem Pop, häufig mit bluesigen, melancholischen Untertönen. Procol Harum waren zweifellos begnadete Stilisten mit einem sehr individuellen Klangbild, woran Gary Brookers Soul-Stimme einen entscheidenden Anteil hatte. Vierzehn Jahre nach ihrem letzten Studioalbum wird der 50. Geburtstag jetzt mit NOVUM gefeiert, mit besagtem Brooker als letztem Originalmitglied, nachdem Texter Keith Reid vom legendären Cream-Kollaborateur und einstigen Battered-Ornaments-Chef Pete Brown er­­setzt wurde. Die Kurzfassung dieser Rezension lautet: NOVUM ist eine recht zwiespältige Angele­genheit. Etwas ausführlicher betrachtet: In seinen besten Momenten, etwa beim melodisch raffinierten ›Businessman‹, dem getragenen ›Sunday Morning‹ und selbst bei den recht pathetischen Pianoballaden ›The Only One‹ und ›Somewhen‹, blitzt Procol Harums Klasse durch. Doch eine Nummer wie ›Can‘t Say That‹ erinnert an vorhersehbaren AOR der 80er und einen Schunkler wie ›Neighbour‹ braucht man nicht wirklich. In den un­­angenehmsten Momenten, die aber erfreulicherweise rar bleiben, irritiert triviales Pianogeklimper, das an stereotype Balladenklänge aus den Sound­tracks von TV-Familienschmon­zetten erinnert, die dem Wort „Flach-Bildschirm” eine ganz neue Be­­deutung verpassen. Unschön. Bei aller Ambivalenz macht Brooker als Sänger auch nach 50 Jahren eine hervorragende Figur. Und das Cover-Artwork verdient einen Extrapunkt.

6/10

Procol Harum
NOVUM
EAGLE ROCK/UNIVERSAL