Review: Motörcity Festival: Tolmin, Slowenien (24.08. – 27.08.2017)

Wildes Slowenien, wenig Schnickschnack.

Kaiserlichster Sonnenschein, dicht bewaldete Berge und glasklare Gewässer mit attraktiver Emerald-Schattierung: Mitten in dieser zauberhaften Landschaft beginnt nicht etwa eine Märchenerzählung á la „Es war einmal“, sondern das Motörcity Festival in Slowenien. Der gediegenere Bruder der Metaldays findet genau da statt, wo sich zwei türkisfarbene Ströme bei Tolmin vereinen und glänzt stimmungstechnisch mit einem Flair von gelöster Tranquilität sowie musikalisch mit erlesenen Perlen zwischen klassischem Delta- und tanzbarem Rhythm’n’Blues.

Die Acts wie zum Beispiel das sympathische Duo Hans Theessink und Terry Evans (selten jemanden in solchen Tiefen brummen hören wie diesen Hans) beginnen erst Abends, sodass der naturaffine Festivalgast tagsüber die malerische Umgebung wahlweise zu Fuß, mit Fahrrad oder Bike auskundschaften kann, um dann gemütlich bei der B.B. King Stage einzukehren, sich an den ausgezeichneten Imbissbuden zu stärken, an der Verlosung des Motorrads „Blueberry Bomber“ teilzunehmen und das bunt durchgewürfelte Publikum zu beobachten. Dieses würde ich als Summe aus Kaffekränzchen, Bikerparty, Kindergeburtstag und Burg Herzberg mit einer starken Tendenz zu Ü40 beschreiben, im Abgang die volltrunkenen Festival-Karnevalisten (jeder kennt sie…) abziehen und voilá: Das Resultat ergibt eine äußerst angenehme Mischung.

Da 2017 den Startschuss für das Bluesspektakel markierte, waren die Besucherzahlen noch nicht ganz so massiv und die wunderbare River Delta Stage am Ufer leider nur mit einer regionalen Band bestückt. Insider flüsterten Frau Autorin diesbezüglich jedoch einige verbessernde Vorsätze für 2018 ins Ohr. Apropos regional: Heißer Underground-Tipp des Festivals sind – neben den größeren Nummern wie Wunder-Gitarrero Matt Schofield oder der vielköpfigen Henrik Freischlader Band aus deutschen Landen – die Prismojeni Profesorji Bluesa aus Ljubljana: Hendrix-angehauchter R’n’B, gepaart mit wunderbar ironischer Bühnenpräsenz. Sollte man sich bei Gelegenheit geistig notieren. Ansonsten kann das Motörcity mit bestem Gewissen als äußerst feine Angelegenheit jedermann wärmstens ans Blues-Herz gelegt werden. Ich freue mich schon auf 2018.