Review: Midnight Oil – FULL TANK

midnight oilDie etwas unbillige Komplettdiskografie.

Midnight Oil. Wo fange ich an? Man muss Australier sein, um den Stellenwert dieser Band im Ganzen zu er­­fassen. Man kann sich auch FULL TANK für knapp 180 Stecken kaufen und zehneinhalb Stunden Peter Garretts Stimme und vor allem Texten lauschen. Midnight Oil sind eine Art australisches Nationalheiligtum, nicht zuletzt durch ihr politisches Engagement. Garrett ist einer der wenigen Rockmusiker, die während ihrer Karriere auch ein politisches Amt an exponierter Stelle am grünen Flügel inne hatten. Das wäre ungefähr so, als wenn hierzulande Wolfgang Niedecken in den Bundestag gewählt und zum Umweltminister ernannt worden wäre, und BAP während einer Legislaturperiode hätten pausieren müssen.

„Midnight Oil sind wie ein kräftiger Rot­­wein. Der erste Schluck ist herb-fruchtig und du bist dir nicht ganz sicher, ob du ihn nun magst oder nicht. Dann nimmst du einen weiteren Schluck und entdeckst neue Facetten, die dir munden. Wir gehen bei unseren politischen Aussagen sehr be­­sonnen vor und wollen die Leute aufrütteln und ihr Bewusstsein schärfen. Manchmal ist unsere Botschaft hässlich, aber sie ist immer echt.“ Das sagte Garrett 2002 in einem Interview zu mir, die Band hatte gerade Album Nr. 11, ihr letztes, CAPRICORNIA vorgelegt. 2017 spielen sie nun wieder zusammen, und deswegen macht so ein opulentes Superdeluxe-hastenichtgesehen-Ölfass der „Oilers“ auch Sinn. Da ist eben noch so viel mehr Vermächtnis neben DIESEL & DUST, dem allseits bekannten Chartbreaker.

Neu, und ebenfalls dabei: Die DVD 40.000 WATT RSL mit allen Mu­­sik­videos der Band. Das Fass ist aus Recyc­lingmaterial, und war zeitlebens eine markante Bühnen­utensilie. Die zwei EPs der Band sind auch dabei, alternative Albumcover, Infomaterial… Vollbedienung.

Ohne Wertung

Midnight Oil
Full Tank
Sony Legacy/Sony