Review: Leslie West – SOUNDCHECK

leslie westDer alte Haudegen überrascht sich selbst.

Für einen, dem man nachsagt, dass sein musikalischer Aktions­radius in etwa die Größe eines Bierdeckels hat, gibt sich der Woodstock-Veteran Leslie West auf seinem neuen Album erstaunlich abwechslungsreich. Er wollte sich selbst überraschen, sagt der amerikanische Gitarren-Held über diese Platte – und das ist ihm wohl auch gelungen. Mit ›Left By The Roadside To Die‹ steht zwar eine geradezu klischeehafte Blues-Rock-Nummer am Anfang, bei der West ganz auf seine Reibeisenstimme setzt und die viel Raum für sein exzellentes Slide-Gitarrenspiel lässt, doch mit dem souligen Tracy-Chapman-Blues ›Give Me One Reason‹, dem filigran/rasanten Akustik-Instrumental ›A Stern Warning‹ oder beim mit reichlich Lebenserfahrung (Stimme) und viel Gefühl (Gitarre) vollgestopften Curtis-Mayfield-Cover ›People Get Ready‹ zeigt der 71-jährige Survivor, dass er zu Unrecht bisweilen als limitiertes One-Trick-Pony verschrien ist. Wer’s lieber ganz klassisch mag, kommt beim kraftstrotzenden ›Here For The Party‹ oder der AC/DC-Hommage ›Empty Promises/Nothin’ Sacred‹ auf seine Kosten, und ganz nebenbei geben sich hier auch noch Gäste wie Peter Frampton, Brian May, Bonnie Bramlett und der selige Jack Bruce (bei einer alten Live-Aufnahme von ›Spoonful‹) die Ehre. Das kann nicht schlecht sein, oder?

Leslie West
SOUNDCHECK
PROVOGUE/MASCOT/ROUGH TRADE
6/10