Review: Leonard Cohen – YOU WANT IT DARKER

leonard_cohen-2016-you_want_it_darkerDer große Songdichter ist düster und humorvoll zugleich.

Geht ganz schön bedrohlich los, das 14. Album von Leonard Cohen. Mo­­derner minimalistischer Beat, düsterer Rabbinerchor und Zeilen wie: „A million candles burning/For the love that never came/You want it darker/We kill the flame“. Der Sänger im Dialog mit seinem Schöpfer: „I’m ready my Lord“. Als Cohen in einem Interview kürzlich sagte, er sei bereit zu sterben, konnte man schon ein bisschen Angst um ihn bekommen. Mittlerweile hat er zum Glück relativiert. Er habe ein wenig übertrieben, sagte er in einem Pressegespräch zur Platte: „Manchmal neigt man eben zur Selbst­dramatisierung.“ Tatsächlich plane er, 120 zu werden. Das beruhigt. Aber im Ernst: Vieles klingt dunkel bis feierlich auf YOU WANT IT DARKER, auch dank häufig eingesetzter Kirchenorgel und Streichern. Es geht um Tod, Vergänglichkeit, die letzten Dinge. Natürlich war das bei Cohen nie viel anders. Und auch die Texte kommen in der charakteristischen Mischung aus biblischer Bildersprache und Liebeslyrik daher, nur werden sie heute noch tiefer, rauer, manchmal fast flüsternd dargeboten. Cohen geht humorvoll mit seinem Ruf als großer Verführer um („I was fighting with temptation/But I didn’t want to win“), steht letzten Gewissheiten skeptisch gegenüber („Steer your heart past the truth/You believed in yesterday“), versucht, alte Rechnungen zu begleichen, und feiert letztendlich dann doch die Macht der Liebe. „I’m leaving the table/I’m out of the game“, heißt es einmal. Sollte dies das letzte Werk des 82-Jährigen sein, es wäre ein würdiger Abschied. Andererseits: Gegen ein, zwei weitere Alben hätten wir freilich überhaupt nichts einzuwenden.

8/10

Leonard Cohen
YOU WANT IT DARKER
COLUMBIA/SONY