Review: Joan Osborne – SONGS OF BOB DYLAN

joan osborneHübsche Momente, aber keine Offenbarung.

Bob Dylan-Stücke sind ein beliebtes Ziel von Coverversionen. Warum, ist nicht schwer zu erraten. Sie sind meistens großartig, und in Sachen Aufnahmeperfektion besteht vermeintlich Spielraum, weil der Songwriter nie der große Studiotüftler und Soundbastler war wie etwa die Beatles oder die Beach Boys. Wahr ist aber auch: Bis auf ganz wenige Ausnahmen – Jimi Hendrix mit seinem ›All Along The Watchtower‹ oder die Byrds mit ›Mr. Tambourine Man‹ – konnte nie jemand dem Original das Wasser reichen. Daran ändern auch Joan Osbornes SONGS OF BOB DYLAN nichts, das macht gleich der Auftakt schmerzlich deutlich. Aber vielleicht sollte ›Tangled Up In Blue‹ auch einfach nicht gecovert werden. Zu prägnant ist die Dylan-Fassung, zu viel Schärfe und Verletzlichkeit stecken darin, als dass nicht alles andere dagegen fade und blass wirken müsste. Das aufgedreht wahnwitzige ›Highway 61 Revisited‹ wird bei Osborne zu einer dunkel umflorten Ballade, ›You’re Gonna Make Me Lonesome When You Go‹ gerät arg zuckersüß. Dennoch gibt’s schöne Momente: ›Buckets Of Rain‹ mit hübscher Klavierbegleitung etwa oder das beschwingt fidele ›Spanish Harlem Incident‹. Was die Songauswahl betrifft, konzentriert sich die Sängerin auf die 60er und 70er, unternimmt mit ›Tryin‘ To Get Heaven‹ und ›High Water (For Charley Patton)‹ aber auch Ausflüge in die 90er- und 00er-Jahre. All das tut niemandem weh, Dylan-Fans werden allerdings kaum eine Offenbarung erleben.

6/10
David Numberger

Joan Osborne
SONGS OF BOB DYLAN
(Womanly Hips Records/ Thirty Tigers/Alive)