Review: Jefferson Airplane – SURREALISTIC PILLOW

jefferson airplaneAuf surrealistischem Kissen gebettet: weiße Hasen, embryonische Reisen und lustige Autos.

Gerade einmal sechs Monate lagen zwischen Jefferson Airplanes Debüt TAKES OFF und dem Nachfolger SURREALISTIC PILLOW. Zwischen August 1966 und Februar 1967 vollzogen die Lokalmatadore aus San Francisco einen künstlerischen Quantensprung: Das 1965 von Sänger Marty Balin initiierte Sextett avancierte vom Folk-Pop-Mitläufer zur ersten Garde der Psyche­delic-Bewegung. Eine zufällige personelle Neu­orientierung hatte das möglich gemacht: Als Urvokalistin Signe Anderson schwanger wurde, übergab sie an Altstimme und Ex-Fotomodell Grace Slick, zuvor Sängerin von The Great Society. Schlag­zeuger Skip Spence, der wenig später Moby Grape aus der Taufe heben sollte und 1969 die LSD-Kult­platte OAR lieferte, übergab die Drumsticks an Spencer Dryden.

SURREALISTIC PILLOW, neu aufgelegt in optimierter US-Stereo-Version, entstand unter der Mithilfe von Grateful Dead Jerry Garcia, erntete US-Top-3-Platzierung, Goldstatus und einen zwölfmonatigen Chartaufenthalt. Slick steuerte zwei Top-Ten-Singles bei: ›White Rabbit‹, ein von Maurice Ravels ›Bolero‹ inspiriertes Balladendrama mit phan­­tasmagorischen Querverweisen auf Lewis Carrolls Kultbuch „Alice im Wunderland“. Die gestraffte Fassung von ›Somebody To Love‹, ein Original ihres Schwagers Darby Slick, spiegelte als signifikante Hymne über Desillusionierung und Zweifel den dunklen Subtext der Hippie-Generation wider. Qualitativ auf Augenhöhe betteten sich auf dem surrealistischen Kissen auch Balins ›Today‹, ›Plastic Fantastic Lover‹ und ›She Has Funny Cars‹ sowie Kaukonens Akustik-Kabinettstück ›Embryonic Journey‹.

9/10

Jefferson Airplane
SURREALISTIC PILLOW
RCA/SONY