Review: Jeff Tweedy – TOGETHER AT LAST

jeff tweedyWilco-Highlights für die Veranda.

Wilco-Chef Jeff Tweedy war früher ein Mann, der sich nicht allzu gerne in die Karten schauen ließ. Seine Band galt immer als ein wenig geheimnisumwittert: Was Radiohead für den Britpop waren, waren Wilco für Americana. Seit einigen Jahren ist Tweedy zugänglicher geworden. Seine Frau schlägt sich wacker in einem Kampf gegen eine tückische Krebs­erkrankung; Tweedy unterstützt sie nach Leibeskräften und hat offensichtlich seinen Familiensinn entdeckt (wie ein Album mit seinem Sohn zeigt). Nun blickt der Songwriter zum ersten Mal milde auf seine eigene Vergangenheit zurück: TOGETHER AT LAST ist das erste Werk einer Serie mit Akustikversionen der in seinen Ohren besten Wilco-Lieder. Das Vorhaben ist durchaus sinnvoll, denn vor allem rund um den Jahr­tausendwechsel hat die Band Tweedys Songs häufig kunstvoll dekonstruiert. Auf TOGETHER AT LAST baut der Urheber diese Stücke nun behutsam wieder zusammen. ›Ashes From American Flags‹ zum Beispiel besinnt sich auf seinen Ursprung als Folksong, der Text über ein sich zerberstendes Amerika passt 2017 noch viel besser als im Jahr 2002, als Wilco dieses Stück auf ihrem Meisterwerk YANKEE HOTEL FOXTROT veröffentlichten. Zwar fehlt den herunterarrangierten Liedern naturgemäß die Spannung der Bandversionen, als Veranda-Variante des Wilco-Katalogs ist die Platte jedoch allemal willkommen.

6/10

Jeff Tweedy
TOGETHER AT LAST
ANTI/INDIGO