Review: Georgie Fame – SURVIVAL – A CAREER ANTHOLOGY 1963–2015

georgie fame anthologyEin Karrierequerschnitt des britischen Jazz-Blues-Soul-Grenzgängers.

Sein Name war Powell, Clive Powell, er war 16 Jahre jung, ein großer Fan von Ray Charles und Mose Allison, er spielte Orgel, Kla­­vier und sang. 1959 war das, und Manager Larry Parnes, berüchtigt für die Vergabe wenig subtiler Künstlernamen der Sor­te Billy Fury, Vince Eager und Marty Wilde, machte aus Clive Powell kurzerhand Georgie Fame. Der Beginn einer Karriere, die bis heute an­­hält, denn auch wenn Fame mittlerweile aus dem Fokus der Öffentlichkeit mehr oder minder entschwunden ist – der 73-Jährige ist noch immer aktiv.

SURVIVAL – A CAREER ANTHO­LOGY 1963–2015 ist genau das, was der Titel verspricht: Auf sechs CDs und mittels 48-seitigem Booklet werden all die Facetten beleuchtet, die Fame im Laufe der Jahrzehnte offenbarte. Phänomenal ist die Frühphase, in der Geor­gie Fame & The Blue Flames mit Soul, Jazz, R&B und Latin-Rhythmik zu den Lieblingen der Mod- und Northern-Soul-Szene aufstiegen, was Großtaten wie ›You‘re Drivin‘ Me Crazy‹, ›In The Meantime‹ und natürlich den Nr.1-Hit ›Yeh Yeh‹ abwarf. Letzterer wurde in den 80er Jah­ren von Matt Bianco aufgewärmt, doch Fames Version setzt bis heute den Maßstab. Die späten 60er brachten ihm zwar eine weitere Nr. 1, doch der immense Erfolg des Vaudeville-Schlagers ›The Ballad Of Bonnie & Clyde‹ brachte seine Plattenfirma Columbia offensichtlich auf die falsche Fährte: Von Fame wur­de jetzt Pop-Ware erwartet, wobei die Grenze zum Easy Listening mitunter mutwillig überschritten wurde.

Fame fing sich aber wieder, erfreulicherweise sogar recht schnell, wechselte zu Island Records und oszillierte fortan zwischen Blues, Soul, Funk und Ballade, in den folgenden Jahren zunehmend ergänzt um Jazz. Eine Mixtur, der er bis heute die Treue hält. Neben wichtigen Singles, LP-Tracks und allerlei Raritäten enthält die Box auch einen bislang unveröffentlichten Live-Mitschnitt von 1974 aus dem Londoner Lyceum, der mit einer furiosen Solo-Version des Klassikers ›Parchman Farm‹ glänzt. Fame singt und brilliert an der Hammond-Orgel, mehr braucht es dazu nicht. Weniger überzeugend gerieten Ende der 70er Jahre ein paar Aufnahmen für das Label Pye, die etwas zu glatt anmuten, was nach Genuss der kompletten Box mit seinen 110 Stücken aber nicht allzu schwer ins Gewicht fällt.

Denn vor allem möchte man eines: vor diesem Voll­blutmusiker spontan den Hut ziehen.

8/10

Georgie Fame
SURVIVAL – A CAREER ANTHOLOGY 1963–2015
UNIVERSAL