Review: Evan Dando – BABY I‘M BORED

Dandos Solowerk, liebevoll aufgemacht.

Vom Hardcore-beeinflussten Schrei­hals zu Beginn seiner Karriere über den Posterboy der Slacker-Grunge-Generation bis hin zum Dauer-Kandidaten für die Rubrik: „Was macht eigentlich?“: Evan Dandos Pfad verlief stets in Schlangenlinien. Er könnte längst Arenen füllen, doch für die ganz große Karriere ist der inzwischen 50-jährige Songwriter nicht gebaut, dafür stand und steht er sich einfach zu sehr selbst im Weg. Ob und wann wieder neue Songs geschrieben oder veröffentlicht werden – spielt das noch irgendeine Rolle? Mit Dando manövriert eines der letzten großen Flaggschiffe der 90er schnurstracks auf den Eisberg des Vergessens zu.

Vielleicht mag diese liebevoll kuratierte, mit einem 24-seitigen Buch bestückte und um tonnenweise B-Seiten und Raritäten auf einer Bonusdisc erweiterte Wiederveröffentlichung seines einzigen Soloalbums von 2003 helfen, diesen Künstler ein wenig besser zu verstehen: Wer derart weise und poetisch, von tiefer, aufrechter Melancholie erfüllt über die Abgründe des Lebens und der Liebe sinnieren kann wie Dando in diesen zwölf Tracks, für den ist Scheitern und Stagnation vielleicht weniger negativ besetzt, als es unserer auf Perma-Funktion getrimmten Gesellschaft angemessen erscheint. Langeweile? Kommt hier garantiert nicht auf!

9/10

Evan Dando
BABY I‘M BORED
FIRE RECORDS/CARGO