Review: ELP – FANFARE: EMERSON, LAKE & PALMER 1970–1997

Emerson, Lake ans Palmer FanfareDas riesige Boxset verleiht dem Begriff „Super Deluxe“ eine ganz neue Bedeutung.

Während sich Carl Palmer locker macht (und das stellt man sich bildlich vor, schließlich bleibt kein Mensch seines Alters so gut in Form, ohne hin und wieder mal die Muskeln zu strapazieren), um seine Auszeichnung als „Prog Gott 2017“ entgegenzunehmen, mit der seine lebenslange Hingabe zu der Musik gewürdigt wird, die er und seine Kumpels gemacht und geliebt haben, hat das Label von ELP beschlossen, etwas aufzufahren, das man am besten als schweres Geschütz bezeichnen kann. ELP-Sampler sind nichts Neues. Die Erde über ihren vergangenen Werken wurde so oft ausgehoben und umgegraben, dass selbst LOVE BEACH einen gewissen Legendenstatus erlangt hat, was nicht nur für Keith Emersons fragwürdiges Outfit auf dem Cover gilt.

Es wäre also ziemlich gewagt, denkt man, zu erwarten, dass die Fans für eine weitere Neu­bearbeitung der Musik in die Tasche greifen. Musik, die Emerson, Lake & Palmer bis in die 90er machten, als die Band ehrlich gesagt schon ziemlich spektakulär entgleist war. Natürlich bekommt man hier die elf Originalalben, aber danach ist alles möglich: Es gibt Surround-Sound-Mixe von Steven Wilson und Jakko Jakszyk, die schon bei ihrem ersten Erscheinen eine Offenbarung waren. Wenn man sich dann aber auf das bislang unveröffentlichte Dreifach-Live-Album von einer Show in Mailand 1973 stürzt, fragt man sich, wie drei Menschen all diesen glorreichen Lärm veranstalten konnten.

Den Bootleggern ist das nicht neu, aber die Live-Disc, überbearbeitet von Andy Pearce und Matt Wortham, hat viel zu bieten, nicht zuletzt einen Gig vom Pocono International Raceway im Juli 1972, wo die Band mit ›Hoedown‹ loslegt und dann ›Tarkus‹ spielt, bevor ›Take A Pebble‹ an der Reihe ist. Vermutlich, damit alle erst mal durchatmen können. Für mich persönlich war es die Scheibe ON THE BBC, die mich immer wieder zu dieser Box greifen ließ, wo die Band in irgendeiner Megahalle in Memphis einen fulminanten Auftritt aus der WORKS-Tournee hinlegt, angereichert mit ein paar Interviews mit Bob Harris, damit einem auch ja nicht langweilig wird. Dazu gibt es noch die Original-Werbeposter, die Single von ›Lucky Man‹, ein gebundenes Buch und sogar einen Pin. Mag sein, dass es nur eine weitere Exhumierung des ELP-Katalogs ist, doch es fühlt sich an wie mit echter Liebe gemacht.

8/10

ELP
FANFARE: EMERSON, LAKE & PALMER 1970–1997
BMG