Review: Dr. John – THE ATCO ALBUMS COLLECTION

dr johnWas der Arzt empfiehlt: Voodoo-Evokationen, Gumbo-Gaumenfreuden und babylonische Zustände.

Seit einer halben Ewigkeit köchelt Malcolm John Rebennack Jr. alias Dr. John alias Dr. John The Night Tripper Bourbon Street Jazz, Boogie Woo­gie, R&B, Soul, Funk und noch einige weitere exotische Köstlichkeiten zu einem deftigen Gebräu. Abgeschmeckt mit des Mediziners kauzigen Vo­­kal­beiträgen über Mysteriöses, Okkultes, Mes­sianisches, Fatales, Übersinnliches und Sa­­tanisches.

THE ATCO ALBUMS COLLECTION sammelt sieben LPs der Jahre 1968 bis 1974 für das Label Atlantic/Atco. Als Labelchef Ahmet Ertegün das Debüt GRIS-GRIS (1968) hörte, kanzelte er es mit den Worten „How can we market this boogaloo crap?“ ab. Derweil drehte das Werk per Weißmuster schon seine Runden. Von Voodoo-Kultigem wie ›Gris-Gris Gumbo Ya Ya‹ und ›Danse Kalinda Ba Doom‹ ließen sich die mit BEGGARS BANQUET beschäftigten Rolling Sto­nes inspirieren. ›I Walk On Guilded Splinters‹ krallten sich Cher und Marsha Hunt, Manfred Mann’s Earthband coverte ›Jump Sturdy‹ und den Stranglers diente ›Croker Courtbullion‹ als Basis für ›Golden Brown‹. Vietnamkrieg, Terrorismus und die Attentate auf Martin Luther King und Robert Kennedy flossen in das schwer verjazzte BABYLON (1969) ein. Alice Cooper lauschte bei ›Black Widow Spider‹, ›Barefoot Lady‹ avancierte zum Diskotheken-Hit und ›Twilight Zone‹ irrlichterte psychedelisch in Zeitlupe. REMEDIES (1970) konterkarierte die manische Beschwörung ›Loop Garou‹ mit den Ohrwürmern ›Mardi Gras Day‹, ›Wash Mama, Wash‹, ›Chipi Chipi‹ und ›What Goes Around Comes Around‹.

Zur 18-minütigen Perkussion-Orgie geriet ›Angola Anthem‹. Mick Jagger, Graham Bond, Eric Clap­ton, Doris Troy, P.P. Arnold sowie Teile von Delaney & Bonnie And Friends beteiligten sich 1970 an den Sessions zum Soul-Epos THE SUN MOON & HERBS (1971): Vom mystischen ›Black John The Conqueror‹ bis hin zu Hypnotischem wie ›Craney Crow‹, ›Zu Zu Mamou‹ und ›Pots On Fiyo (Who I Got To Fall On If The Pot Get Heavy‹ reichte die Palette des ersten US-Chart-Entrys. Ein Dutzend Cover-Versionen offerierte 1972 DR. JOHN’S GUMBO, darunter James ›Sugar Boy‹ Crawfords ›Iko Iko‹, Huey „Piano“ Smiths ›Blow Wind Blow‹ und Professor Longhairs ›Tipitina‹. Zum Verkaufsseller geriet 1973 das von Allen Toussaint im coolen Funk-Modus gefertigte IN THE RIGHT PLACE mit den Charthits ›Right Pla­ce, Wrong Time‹ und ›Such A Night‹. Für den stilistisch nahezu identischen, jedoch nicht mehr so erfolgreichen Nachfolger DESITIVELY BONNA­ROO (1974) zeichnete ebenfalls Toussaint verantwortlich.

8/10

Dr. John
THE ATCO ALBUMS COLLECTION
RHINO/WARNER