Review: David Crosby – SKY TRAILS

sky trailsRastlose Fortsetzung eines bemerkenswerten Comebacks.

20 Jahre lang schien es so, als sei Folk-Rock-Legende David Crosbys kreative Ader für immer versiegt – angesichts seiner allseits bekannten Drogeneskapaden eigentlich kein Wunder. Umso erstaunlicher, dass der alte Zausel mit Mitte 70 nun die wohl fruchtbarste Zeit seiner sechs Dekaden umfassenden Laufbahn erlebt: SKY TRAILS ist bereits sein drittes Werk als Solist innerhalb von vier Jahren. Nur zehn Monate nach der in Kollaboration mit Snarky-Puppy-Mastermind Michael League entstandenen LP LIGHTHOUSE, die betont sparsam instrumentiert war, knüpft das neue Album eher beim umjubelten Comeback CROZ von 2014 an – auch, weil dieses Mal wieder mit kompletter Band gearbeitet wurde und Crosbys Sohn James Raymond der wichtigste Partner war. So punktet auch SKY TRAILS mit einer bisweilen verblüffend zeitgemäßen Variante des Soft-Rock-Sounds, den der frühere The-Byrds-Mitstreiter schon in den 70ern als Teil von Crosby, Stills & Nash perfektioniert hatte, wagt sich mit jazzigen Versatzstücken aber gleichzeitig ein Stück weiter vor. Bei ›She‘s Got To Be Somewhere‹ ist Crosby klanglich Steely Dan ganz nah, bei ›Curved Air‹ trifft Singer/Songwriter-Kunst auf Flamenco und ›Before Tomorrow Falls On Love‹ entpuppt sich als lupenreine Crooner-Kla­vierballade, während Crosby textlich wie gewohnt kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es um den Lauf der Welt und seine Sicht der Dinge geht. SKY TRAILS mag etwas weniger kompakt daherkommen als die Vorgänger, ein beeindruckendes Zeugnis der ungebrochenen Rastlosigkeit Crosbys ist das Album aber allemal.

7/10

David Crosby
SKY TRAILS
BMG/WARNER