Review: Conor Oberst – SALUTATIONS

salutationsAmericana-Melancholie mit den Felice Brothers.

Conor Oberst, war da nicht gerade was? Schon richtig. Im Oktober erst veröffentlichte der Bright-Eyes-Mann sein Album RUMINATIONS. Nur mit Klavier, Akustikgitarre und Mundharmonika aufgenommen, war es, dem Titel entsprechend, ein intimes „Nachsinnen“ über Lie­be, Einsamkeit, Desillusion und zu viele Drinks in zu späten Bars. Jetzt hat Oberst die Songs von damals neu aufgenommen – und es ist ein komplett anderes Album geworden. Das liegt nicht an den sieben neuen Liedern, die zu den zehn von RUMINATIONS hinzugekommen sind, sondern an der grundsätzlichen musikalischen Neuausrichtung. Denn der Songwriter hat SALUTATIONS nicht allein, sondern gemeinsam mit seinen Kumpels von den Felice Brothers eingespielt. Und so ist die Platte, neben Obersts bebender Stimme und seiner Mund­harmonika, geprägt vom erdigen, melodischen Americana-Sound der Band aus New York, von Ziehharmonika, Violinen und vor allem der dezenten, wehmütigen Gitarre von Ian Felice. Nicht zu vergessen: Am Schlagzeug saß Sessionlegende Jim Keltner, der zuletzt mit Neil Young auf dessen PEACE TRAIL unterwegs war. Geblieben sind Obersts Nachdenklichkeit der mittleren Jahre, seine bei aller Trübsal doch tiefe Romantik („I want to hold you til the world dissolves/But we just can’t get attached“) und die schmerzende Melancholie nach dem Rausch („Where was Timothy Leary when reality bit?“). Nicht mal Lou Reed und Patti Smith können da helfen. Bei all dem ist Oberst manchmal ein bisschen selbstmitleidig, gelegentlich auch selbstironisch, und alles in allem ziemlich großartig.

9/10

Conor Oberst
SALUTATIONS
NONESUCH/WARNER