Review: Chuck Prophet – BOBBY FULLER DIED FOR YOUR SINS

chuck prophetStoryteller-Rock mit einer Extraportion Namedropping.

Chuck Prophet hat seit seinem Debüt Anfang der 90er Jahre über ein Dutzend Platten veröffentlicht, auf denen er straighten Rock mit Blues- und Country-Einflüssen an­­reicherte. Für sein neues Album hat er sich mehr denn je nach alter Folk-Tradition dem Storytelling gewidmet. So tauchen bereits in den Songtiteln eine Menge Namen von Figuren der Zeitge­schichte auf: Unter anderem der von Popstar Bobby Fuller, der in den 60er Jahren unter mysteriösen Umständen starb, auch die Schauspielerin Connie Britton wird erwähnt sowie der von Poli­zei­­kugeln niedergestreckte Security-Mann Alex Nieto, dem Chuck, wie er selbst sagt, seinen „ersten Protest-Song“ widmet. All das ist eingebunden in das recht offene Spiel seiner Begleitband The Mission Express und mit viel Humor dargeboten. Vor allem aber ist BOBBY FULLER DIED FOR YOUR SINS trotz seines textlichen Ansatzes keineswegs eine Folkplatte, sondern vielmehr eine Huldigung an den Rock‘n‘Roll: Ein extrovertiertes Fest, zu dem ein gut gelaunter, entschlossener Gastgeber seine Hörer einlädt. Das geht oft gut, wie im mitreißenden Titeltrack oder auch dem Kla­­­ge­­gesang über den erschossenen Nieto. Manchmal, wie in ›If I Was Connie Britton‹, überschreitet Chuck Prophet leider die Schwelle zur Al­­bernheit, wenn er sich vorstellt wie es denn so wäre, im Körper der begehrten Südstaaten-Schönheit zu stecken. Letztlich ein Album, das mehr die Rock- und Blues-Fraktion unter seinen Hörern denn die ausgewiesenen Folk-Freunde ansprechen wird. Erstere werden BOBBY FULLER DIED FOR YOUR SINS umso mehr zu schätzen wissen.

7/10

Text: Sascha Seiler

Chuck Prophet
BOBBY FULLER DIED FOR YOUR SINS
YEP ROCK RECORDS/H‘ART