Review: Broken Hands – TURBULENCE

broken handsDie Zukunft des UK-Rock?

Auch wenn sich die britische Musikpresse verzweifelt daran festklammert, Liam Gallaghers Aussage, er stehe jederzeit für eine Oasis-Reunion bereit, zur irgendwie sensationellen Schlagzeile aufzubauschen, ist doch längst klar, dass die ewigen Streithähne aus Manchester längst nicht mehr das Zepter in der Hand halten. Sie stehen für den rückwärtsgewandten Britrock, der einfach – wenngleich unbestreitbar effektiv – alte Größe heraufbeschwor, ohne sich mit nennenswerter Evolution aufzuhalten. Daran ist per se überhaupt nichts auszusetzen, solange die Songs gut sind, doch viel aufregender ist doch, dass der UK-Underground seither eine wahre Renaissance faszinierender Gitarren­bands erlebt hat, und Broken Hands dürfen sich nun zu den vielversprechendsten von ihnen zählen. Das Quintett aus Canterbury bricht zwar auch keine Klangrevolution los, doch das Debüt TURBULENCE wirbelt in der Tat einiges durcheinander – mit überaus grandiosem Resultat. Hier der Spacerock von Hawkwind, dort die Eier von Kasabian, mal der hypermelodische Wahnwitz von Muse oder die saftig-magenschwingenden Riffs von Royal Blood (mit dem sie sich Produzent Tom Dal­gety teilen), die euphorisierende Wucht von Biffy Clyro auf der einen, die feinziselierten Sound-Intarsien von Steve Wilson auf der an­­deren Seite, garniert mit ein paar Prisen Stoner-Staubigkeit und einer Stimme, die ir­­gendwo zwischen Richard Ashcroft und Sam McTrusty von Twin Atlantic oszilliert. Eine wirklich aufregende Platte, die jeden weiteren Hördurchlauf reich belohnt. Turbulent ist das auf jeden Fall – und wir gehen mit dem größten Vergnügen an Bord!

8/10

Broken Hands
TURBULENCE
SO/ROUGH TRADE