Review: Brian Wilson – PLAYBACK: THE BRIAN WILSON ANTHOLOGY

brian wilson playbackDerzeit ist Brian Wilson auf Welttournee, um ein letztes Mal sein Meisterwerk PET SOUNDS live aufzuführen.

Doch wer dem 75-Jährigen dabei zusieht, wie Helfer ihn an sein Piano geleiten und er roboterhaft Ansagen wiederholt, kann dabei den Eindruck bekommen, dass man hier auch Zeuge eines Abschieds wird. Andererseits war er trotz seiner angegriffenen Psyche in der Lage, seit 1988 Soloalben zu veröffentlichen (wobei er vor allem in den vergangenen zehn Jahren recht pro­duktiv war). PLAYBACK ist nun die erste (!) Zu­­sammenstellung dieser Solojahre und bietet Aus­züge aus neun Alben – von BRIAN WILSON (1988) bis NO PEER PRESSURE (2015). Darunter sind Klassiker wie ›Love And Mercy‹ (der einzige Solo­song, der es in die aktuelle Setlist geschafft hat) oder unterschätzte Albumtracks wie ›Soul Searchin‘‹ plus ein ganz neuer Song, ›Run James Run‹. Sogar aus LIVE AT THE ROXY THEATRE (2000) finden sich zwei Stücke auf PLAYBACK. Dass Alben wie der dokumentarische Soundtrack I JUST WASN’T MADE FOR THESE TIMES, ORANGE CRATE ART oder WHAT I REALLY WANT FOR CHRISTMAS leer ausgingen, mag man bedauerlich finden, doch das große Manko der Zusammen­stellung ist allerdings die Tatsache, dass bis auf den bislang unveröffentlichten Song ›Some Sweet Day‹ die mythenumrankten Sessions mit Andy Paley aus den 90er-Jahren oder Musik aus dem ebenfalls un­­veröffentlichten Big-Band-Album aus den 70ern unberücksichtigt blieben. Ein Genie wie Brian Wilson hätte zumindest eine Doppel-CD mehr als verdient.

6/10

Brian Wilson
PLAYBACK: THE BRIAN WILSON ANTHOLOGY
RHINO/WARNER