Review: Black Sabbath – THE TEN YEAR WAR

Black Sabbath jungDie ersten acht Alben der Metal-Pioniere, remastered, wunderschön neu verpackt und bemerkenswert wie eh und je.

Als sich Black Sabbath Ende Februar nach ihrem allerletzten Konzert widerwillig auflösten, wurden diese altgedienten Unheilsbringer und Begründer des gesamten Metal-Genres geradezu mit Lobpreisungen überhäuft. „Schier meisterhaft“, schwärmte der „Rolling Stone“ über das Finale in ihrer Hei­matstadt Birmingham. Vorherige Shows der Ab­­schiedstour waren vom „Telegraph“ und „Evening Standard“ als Triumphe gefeiert wurden, während der „Guardian“ ihren „Hardrock-Blitzkrieg“ mit vollen fünf Sternen würdigte. Aber so war das nicht immer.

Es ist keine Übertreibung, zu sagen, dass die Band Anfang bis Mitte der 70er-Jahre, als sie ihre besten, einflussreichsten Platten hervorbrachte, von der damaligen Rock­presse und der selbsternannten „Intelligenzia“ der Musikwelt absolut verachtet wurde. Zuerst verspottete Lester Bangs ihr selbstbetiteltes De­­büt im „Rolling Stone“ als „dissonante Jams“, dann wurden Black Sabbath gnadenlos niedergemacht. Nur wenige Monate nach SABOTAGE, ihrem kreativen Höhepunkt, öffnete sich der Himmel und ließ es auf John Peel herabregnen, der bei einem Open-Air-Konzert in Essex auflegte.

„Keine Sorge“, brummte er vermeintlich charmant von der Bühne, „ich habe ein paar Sabbath-Alben mitgebracht, um meine Platten vor dem Gewitter zu schützen“. Ein klassischer Diss von Peel, doch nur wenige lachten. Denn besagte Sabbath-Alben, die von den erhabenen Eliten der angesagten Medien so verrissen wurden, verkauften sich millionenfach. Black Sabbath waren eine Band fürs Volk: kein Pop, aber definitiv po­­pulär. Die urbanen Tastemaker der Glam-Ära mit ihren zarten Stimmen und noch zarteren Händen betrachteten Ozzy & Co. vielleicht als die Bar­baren vor den Toren der Stadt, aber die Fabrik­arbeiter, die die großen Hallen füllten und sich der Macht der Riffs ergaben, sahen auf der Büh­ne in Osbourne, Iommi, Butler und Ward einfach nur ihresgleichen.

Sabbath waren wie die heimischen Stooges, Riffmonster aus dem industriellen Kernland. Sie waren alles, was die Punk­horden, jene bald aufkommenden Darlings der Presse, zu sein vorgaben. Doch sie brachen mit den Regeln der elitären Rockpresse, indem sie nicht nur haufenweise Platten verkauften, sondern das auch noch ohne den Segen der Schrei­berlinge taten. Das Ergebnis: flächendeckende Verdammung und Verachtung seitens der Kritiker. In vielerlei Hinsicht war es aber genau dieser dauerhafte Hohn der Presse, der diese eiserne Loyalität erschuf, die bis heute die Metal-Gemeinde definiert. Und keine Metal-Band musste mehr davon einstecken als Sab­bath. Doch letztendlich brauchten sie die Presse nicht, denn ihre Werke definierten alle existierenden Erwartungen davon neu, wie urtümlich, kraftvoll, hart und wuchtig Rockmusik sein konnte.

Inspiriert von der damaligen Mode für diabolischen Horror à la Dennis Wheatley, machten sie sich daran, das Böse in ihrer „Teufelsmusik“ zu akzentuieren, verorteten den Tritonus, führten ihn im Titelstück ihres selbstbetitelten De­­bütalbums vor und blickten nie wieder zurück. THE TEN YEAR WAR beinhaltet ihre ersten acht Platten, ursprünglich zwischen 1970 und 1978 veröffentlicht – die Hochphase der Band. Verteilt auf acht 12“-Vinyls im Splatter-Look sowie ein paar rare 7“-Single-Reproduktionen, gehören noch ein gebundenes Buch sowie Nachdrucke des 78er-Tourprogramms und eines Posters von 1972 zum Paket.

Viel bemerkenswerter ist aber ein USB-Stick in Kruzifixform mit den acht Alben im hochwertigen MQA-Sound, den man um den Hals tragen kann, genau wie Tony Iommi das tun würde. Wer den einstöpselt und sich die Kopf­hörer aufsetzt, kann sich auf etwas gefasst machen. Knackig, mächtig und schlicht bösartig, ist der gewohnte Breitwandklang innerhalb der bekannten technischen Limitierungen jener Zeit hier so scharf wie nie, fährt eine volle Attacke auf die Gehörgänge, dass es einfach nur die reinste Freude ist.

Ozzys außergewöhnlicher gequälter Gesang, Iommis vernichtende, gnadenlose und typisch metallische Riffs, Geezer Butlers schwingend testosterongetränkter Bass und Bill Wards kolossal donnernde Schlagzeuggewalt harmonieren wie eine sehr gut geölte Maschine. Und bei jenen Songs, auf denen sie alles richtig machten – die karrieredefinierenden Titelstücke von BLACK SABBATH und PARANOID (beide 1970), ›Children Of The Grave‹ von MASTER OF REALITY (1971), ›Tomorrow‘s Dream‹ von VOL. 4 (1972), die glorreiche Schizophrenie von ›Sabbath Bloody Sabbath‹ (1973) und so ziemlich alles auf SABOTAGE (1975) – kann ihnen einfach niemand das Wasser reichen.

Hört man sich sämtliche dieser Alben am Stück an, ist der plötzliche qualitative Absturz von TECHNICAL ECSTASY und NEVER SAY DIE leider unüberhörbar. Aufgenommen 1976 respektive 1978, sind sie keine schlechten Platten, aber dieser erlauchten Gesellschaft nicht wirklich würdig. Doch egal welche Kritik man an ihren späteren Werken auch äußern mag, gleicht die unbeschreibliche Qualität der ersten sechs Al­­ben das alles mit Leichtigkeit aus. THE TEN YEAR WAR ist jedenfalls der unumstößliche Beweis, dass Black Sabbath nicht nur die ersten Vertreter des Heavy-Metal-Genres waren, sondern fünf Jahre am Stück auch die besten.

9/10

Black Sabbath
THE TEN YEAR WAR
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