Red Hot Chili Peppers: Paris, AccorHotels-Arena (16.10.2016)

red hot chili peppersBewährtes – und eine Hommage an Serge Gainsbourg

Nach vier Jahren Funkstille sind die Red Hot Chili Peppers erneut in Frankreich zu Gast, diesmal auf Tour mit ihrem neuen Werk THE GETAWAY. Zumindest theoretisch – denn sie wissen natürlich, dass Konzertbesucher bewährte Hits erwarten, weshalb nur fünf Stücke im 16 Songs starken Set vom aktuellen Album stammen. Der größere Teil der Show lässt die 90er-Jahre aufleben, mit Titeln von BLOOD SUGAR SEX MAGIK und CALIFORNICATION. So verzichtet das Quartett diesmal auf den Eröffnungsklassiker ›Can’t Stop‹ und startet mit ›Around The World‹, in dessen Folge ein Querschnitt durch die Geschichte ihrer Single-Veröffentlichungen geboten wird: Von ›Me And My Friends‹, dem einzigen Song der ersten drei Alben, den die Band noch regelmäßig live spielt, bis hin zur neuen Auskopplung ›Dark Necessities‹.

Anschließend greift Gitarrist Josh Klinghoffer für eine Interpretation des Serge-Gainsbourg-Klassikers ›Je suis venu te dire que je m’en vais‹ zum Mikrofon – und singt zur großen Freude der Fans auf Französisch! Es folgen der überflüssige neue Titel ›Feasting On The Flowers‹, ›Look Around‹ – der einzige Repräsentant des 2011 erschienenen Albums I’M WITH YOU – und ›Californication‹, dem Klinghoffer mit einem ätherischen Solo seinen Stempel aufdrückt.

Beim anschließenden ›Go Robot‹ leidet Anthony Kiedis unter partieller Amnesie, die Fans können die Textlücken jedoch problemlos füllen und im folgenden ›If You Have To Ask‹ mit ausgiebigem Soloteil ist die kleine Krise auch schon wieder überwunden, erst recht beim bewährten „crowd-pleaser“ ›By The Way‹, zu dem die Menge am exzessivsten zappelt. Vor der Zugabe stimmt das Publikum die französische Version von „Zum Geburtstag viel Glück“ für Bassist Flea an, der heute 54 wird.

Der kehrt für die Zugabe in gewohnter Manier per Handstand auf die Bühne zu­­rück und skandiert „It’s fucking great to be alive“. Ihrer Oberteile entledigt, stimmen die Peppers dann noch ›Dreams Of A Samurai‹ an und schließen mit ›Give it Away‹. Ein furioser Auftritt, keine Frage. Schade nur, dass das mit beträchtlichem Live-Potenzial gesegnete ›Goodbye Angels‹ vom neuen Album gefehlt hat.

Text: Jannik Myska