Red Hot Chili Peppers: Köln, E-Werk

red-hot-chili-peppers-ellen-von-unwerth-im-with-you-photo-shoot-promotional-photo-005Ziemlich chaotische Weltpremiere – was an den Umständen, aber eben auch an der Song-Auswahl liegt.

Klar, es kann und darf bei der Live-Darbietung von brandneuen Stücken etwas schief gehen – schließlich hat sie die Band eben noch nicht seit Jahren in allen erdenklichen Versionen an Auftrittorten von Vancouver bis Kasachstan performt. Doch die Red Hot Chili Peppers treiben es bei der Bühnenpremiere von I’M WITH YOU wirklich auf die Spitze: Statt die Neuzugänge in ein Programm mit Klassikern einzuweben (was Sicherheit geben, also nicht nur als Spaßgarant für die Fans, sondern auch als Auffangnetz für die Musiker fungieren würde), bringen die Kalifornier das komplette Album von Anfang bis Ende auf die Bretter – lediglich ›Even You Brutus?‹ fehlt –wahrscheinlich, weil diese Nummer, ei­­ne Art Mini-Oper, eben extrem komplex ist.

Aber auch der Rest birgt etliche Stolpersteine: Schon beim Opening-Song ›Monarchy Of Roses‹ liegt Neuzugang Josh Klinghoffer beim Background-Gesang dezent daneben, dann fällt das Mikro von Frontmann Anthony Kiedis aus, zwischen den Stücken gibt es längere, ungewollte Pausen. Die Band wirkt sichtlich verunsichert, führt offene Diskussionen und fügt schließlich kleine Lückenfüller an Klavier nebst Percussions zur Überbrückung ein. Was anfangs noch witzig wirkt – und von Flea mit Sprüchen wie „Ich glaube, ich hab meine Tage“ kommentiert wird. Bis sie ›Happiness Loves Company‹ gleich zwei Mal anstimmen – weil es technische Probleme gegeben hat. Und zwar nicht etwa auf der Bühne, sondern bei der Satelliten-Übertragung in ein paar hundert Kinos rund um den ganzen Globus, in die der Gig live übertragen wird. Das kommt davon, wenn man nicht einfach ein nettes Club-Konzert spielt, sondern in internationalen Marketing-Dimensionen denkt. Die Leidtragenden sind an diesem Abend eindeutig die Fans. Sie erleben zwar eine wunderbare Show mit malerischen Farben, netten LED-Screen-Animationen und einer Band, die optisch noch sehr passabel anmutet.

Aber: Mit ›Me & My‹ und ›Give It Away‹ lediglich zwei magere Nummern aus dem umfangreichen Backkatalog zu präsentieren, ist einfach zu wenig. Denn Satelliten-Übertragung, Album-Promotion & Co. schön und gut: Am Ende des Tages ist und bleibt ein Live-Gig nun mal ein Live-Gig – mit Fans, die jubeln und feiern wollen. Und wenn eine Band wie die Red Hot Chili Peppers kein ›Californication‹, kein ›Under The Bridge‹ und kein ›Higher Ground‹ ins Set integriert, sorgt das dann doch für einen etwas schalen Nachgeschmack.