Red Dead Redemption (dt. Version)

RedDeadRedemptionDeutlich mehr als GTA im Wilden Westen.

Die Einsicht, mit seiner kriminellen Vergangenheit brechen zu müssen, kommt für John Marston zu spät: Bevor sich das Wildwest-Raubein mit Frau und Kind auf eine Farm zurückziehen kann, werden seine Liebsten verschleppt. Gewiefte Anzugträger der Regierung zwingen ihn, ehemalige Bandenmitglieder zu suchen und zur Strecke zu bringen. Fügt Marston sich nicht, wird er seine Familie nie wieder zu Gesicht bekommen.

Die Ende des 19. Jahrhunderts in den USA angesiedelte Geschichte ist nicht neu, fesselt aber wie kaum eine andere zuvor: Auf dem langen Weg zu seiner persönlichen Abrechnung mit Oberbandit Bill Williamson findet sich Marston in einem heiß-kalten Strudel aus Betrug, Wut, Trauer, Verlust-, Rache- und Vatergefühlen wieder. Das Kunststück, den Betrachter mit einem knallharten Eastwood-Verschnitt fühlen und zittern zu lassen, gelingt RED DEAD REDEMPTION aber nicht nur durch eine ernste, enorm spannende Erzählweise und atmosphärische Musik, sondern nicht zu-letzt durch Rockstar-typische Mechanik: Statt linearer Abläufe geben die GRAND THEFT AUTO-Macher lediglich Hauptmissionen vor und reichern sie mit unzähligen, frei wählbaren Nebenaufgaben an. Marston bewegt sich zu Fuß, auf Pferderücken, in Eisenbahnen oder Kutschen durch grenzenlose, fantastisch animierte Dörfer, Wüsten, Berge, Minen oder verschneite Wälder.

Um Fortschritte freizuschalten und Geld für Waffen, Pferde oder Medizin zu sammeln, muss der Antiheld verschollene Personen finden, Wettrennen reiten, Entflohene einfangen, Rinder hüten, Poker- oder High Noon-Duelle bestreiten, Tiere erlegen und häuten, Wildpferde zureiten und vieles mehr. Aufgrund unendlicher Möglichkeiten vergehen Dutzende Stunden bis zum Ende der Hauptgeschichte. Modi für bis zu 16 Cowboys und Download-Missionen erhöhen die konkurrenzlose Spielzeit nochmals.

Obwohl das Grundkorsett dazu verleitet, den RED DEAD REVOLVER-Nach-folger voreilig als Wildwest-GTA-Klon abzustempeln, versteckt sich dahinter weit mehr: Der Titel gräbt tiefer, ergreift, verstört, entlässt fassungslos, treibt den Puls hoch und mengt nebenbei auf die Gegenwart übertragbare Sozialkritik unter. Kurzum: RED DEAD REDEMPTION ist schon jetzt das Spiel des Jahres.