Paul Weller: München, Technikum (04.09.2017)

paul weller 2017Der Look sitzt, der Sound auch

Wenn Paul Weller, „Modfather“ und „Godfather Of Britpop“, im Lande ist, dann heißt das für den stilbewussten Rockfan und Mod-Aficionado natürlich: Pflichttermin. Rund 750 Besucher im Münchner Technikum sehen das ganz genauso – und Weller um kurz nach neun die Bühne entern, zusammen mit einem Percussionisten, einem Schlagzeuger, einem Gitarristen, einem Bassisten und einem Keyboarder. Keine Drei-Mann-Attacke wie damals mit The Jam also, der ersten Band des Briten, die deutlich von der Wut des Punk beeinflusst war, aber auch kein Großaufgebot samt Bläsersektion wie zu Style-Council-Zeiten. Weller selbst, braungebrannt, im feinen dunkelblauen Rundhalspullover, Chino mit Bügelfalte und braunen Lederschuhen, wechselt mehrmals von der Gitarre ans Piano.

Den Großteil des Abends bestreitet er mit Songs aus seinem Solowerk, das mittlerweile ja längst den größten Teil seines Schaffens einnimmt. Natürlich gibt‘s einiges aus dem jüngsten, im Mai dieses Jahres erschienenen Album A KIND REVOLUTION zu hören, das gutgelaunte ›Woo Sé Mama‹ etwa, das Künstlerstück ›Hopper‹ oder das hymnische ›The Impossible Idea‹. Zumindest gefühlt dominiert aber Material aus den frühen Soloplatten aus den 90er-Jahren, ›Wild Wood‹, ›You Do Something To Me‹, ›Peacock Suit‹, ›Friday Street‹, um nur einige zu nennen. Klassiker allesamt und entsprechend begeistert aufgenommen. The Style Council sind mit ›My Ever Changing Moods‹, ›Have You Ever Had It Blue‹ und ›Shout To The Top‹ vertreten, die heute etwas härter und weniger soulig und jazzig verspielt klingen als damals in den 80er-Jahren.
Nach rund eineinhalb Stunden verabschieden sich Weller und Kollegen erst mal kurz und die Bühnentechniker machen sich am Instrumentarium zu schaffen. Zeit also, sich neue Drinks zu holen – und sich das Publikum mal genauer anzuschauen. Das ist vom Ge­­schlechterverhältnis relativ gut durchgemischt, der Männeranteil überwiegt vielleicht ein bisschen, die meisten sind im mittleren Alter und damit wohl etwas jünger als der Sänger selbst. Nach Anhängern der von Weller bevorzugten Mode sehen allerdings die wenigsten aus, dazu gibt es eindeutig zu wenige weiße Hosen und Lederslipper zu sehen. Und Parkas natürlich, Mod-Utensil Nummer eins, aber dafür ist es heute wahrscheinlich auch zu warm.

Und während man noch so vor sich hin denkt, nehmen die Musiker ganz still und brav nebeneinander auf Stühlen am Bühnenrand Platz, um in ein intimes kleines Akustikset zu starten, inklusive einer schönen Version von ›Monday‹ vom The-Jam-Meisterwerk SOUND AFFECTS aus dem Jahr 1980. Danach werden noch einmal die elektrischen Gitarren angestöpselt – für den Schlussakt, in dem der fast 60-jährige Weller noch immer so agil und kraftvoll aufspielt wie eh und je, bevor, standesgemäß mit ›The Changingman‹, einem Allzeit-Favoriten vom Album STANLEY ROAD, der Vorhang fällt. Respektive die Lichter und die Musik vom Band angehen.