Pain Of Salvation

Pain_Of_SalvationVor einem guten Jahr veröffentlichten Pain Of Salvation ihr Album ROAD SALT ONE und spalteten damit die Meinungen von Kritikern und Fans. Die einen schwärmten von einem Meisterwerk, die anderen schüttelten nur verständnislos den Kopf – Reaktionen, die die Schweden seit mehr als 20 Jahren kennen. „Entweder hassen uns die Leute – oder sie lieben uns. Obwohl ich es eher vorziehe, geliebt zu werden“, lacht Bandchef Daniel Gildenlöw. „In gewisser Weise haben wir uns an diese Reaktionen ge­­wöhnt. Wir sind eine sehr facettenreiche Band, die keine Angst davor hat, unterschiedlichste Musikstile auszuprobieren. Da muss man mit Kritik rechnen.“

Das stimmt, denn jedes Album der Band klingt anders, wodurch sich Fans oft vor den Kopf gestoßen fühlen. „Ich habe jedoch oft das Gefühl, dass ich missverstanden werde“, fügt Daniel hinzu. „Ich habe mich zwar damit abgefunden, dass uns die Menschen in Extremen wahrnehmen. Aber wenn jemand etwas so offensichtlich hasst, in das du so viel Leidenschaft und Herzblut gesteckt hast, dann tut das immer weh. Ich habe keine Angst vor Kritik. Sie trifft mich allerdings immer sehr, geht bis ins Mark.“

Auch Anfang des Jahres mussten die Schweden wieder viel Kritik einstecken, dieses Mal für ihr Video zum ROAD SALT ONE-Song ›Where It Hurts‹, das zensiert und auf den meisten Internetkanälen sogar verboten wurde. Es zeigt Daniel, der nackt mit einem klopfenden Herzen auf dem Boden sitzt, leidenschaftliche Liebesszenen und letztendlich ein nacktes, blutverschmiertes Mädchen. „Diese krassen Reaktionen haben mich wirklich überrascht“, blickt Daniel zurück. „Mir war klar, das es manche Leute etwas anstößig finden könnten, schließlich enthält das Video Blut, Sex und nackte Körper. Aber alles ist sehr ästhetisch und kunstvoll dargestellt. Wir haben uns von alten japanischen Filmen inspirieren lassen, die auch Quentin Tarantino als Vor­­­lage für ‚Kill Bill‘ verwendet hat. Es geht darum, Schönheit in Hässlichkeit zu finden. Es gibt auf diesen Plattformen so viel ekelhafte Dinge zu sehen, dass ich wirklich nicht verstehe, was an unserem Video so schlimm sein soll.“

Vor allem, da Daniel dafür über seinen eigenen Schatten ge­­sprungen ist. „Ich bin ein sehr schüchterner Mensch. Es war sehr schwer für mich, nackt vor einer Kamera zu sitzen und diese Liebesszenen zu spielen. Das bin nicht ich“, blickt er zurück und fügt dann grinsend hinzu: „Nicht dass ich nicht gerne leidenschaftlichen Sex habe, aber das mache ich normalerweise nicht in der Öffentlichkeit.“

Im September erschien nun mit ROAD SALT TWO das zweite und abschließende Werk des ROAD SALT-Projektes, das Kritiker und Fans milde stimmen dürfte, da es nahtlos an den Vorgänger anknüpft. „Ein Großteil der Songs wurde schon während der Sessions zu ROAD SALT ONE aufgenommen und hätte auch hervorragend auf dieses Album gepasst“, erklärt Daniel. „Deshalb unterscheiden sich die beiden Alben nicht besonders stark voneinander, sondern ergänzen sich eher. Das zweite Album wirft jedoch ein völlig anderes Licht auf das erste, wodurch man dieses noch einmal neu für sich entdecken kann.“

Anfänglich war auch geplant, ein Doppelalbum herauszubringen. „Dass es nun zwei Alben gibt, hat mit vielen unerwarteten Begebenheiten und Entscheidungen zu tun“, holt Daniel aus. „2008 arbeitete ich in meinem Kopf an insgesamt drei Alben, eines davon war die ROAD-Idee. Ein Jahr später sollten wir mit Dream Thea­ter auf US-Tour gehen, wozu wir ein neues Album brauchten. Da ich mich nicht entscheiden konnte, welche Idee ich umsetzen sollte, beschloss ich, alle Songs aufzunehmen und ein Doppelalbum zu machen. Jedoch ging während der Aufnahmen unser Vertrieb bankrott, so dass wir einige Zeit nichts machen konnten. Als ich das Material schließlich später wieder zur Hand nahm, ergab alles einen Sinn, und ich wusste, wie ich die Songs aufzuteilen hatte: nämlich auf zwei Einzelalben.“

Da beide CDs eng miteinander verwoben sind, fällt es dem Musiker schwer, sie einzeln zu betrachten. „Ich kann beide Alben nicht mehr objektiv wahrnehmen“, erklärt er. „Es ist so, wie ich es im Song ›Of Dust‹ auf ROAD SALT ONE sage: Wenn du für längere Zeit eine Straße hinabgehst, kommst du an einen Punkt, an dem du dich selbst nicht mehr von der Straße unterscheiden kannst. Die ROAD-­­Alben sind für mich wirklich eine Art Straße geworden, auf der ich entlang gereist bin. Du veränderst die Straße, und die Straße verändert dich. Und am Ende ist keiner mehr so, wie er vorher war.“