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Moves like Jagger

Der bayerische Regisseur Werner Her- zog steckte mitten in den Vorbereitungen zum Film „Fitzcarraldo“ und Mick Jagger sollte den Gehilfen spielen, der assistiert, um im Urwald ein Opernhaus zu errichten. Außerdem war in der ersten Fassung Mario Adorf für die Rolle des Kapitäns engagiert worden. In Iquitos, mitten in Peru, starteten die Dreharbeiten am 1. Januar 1981. Jagger erreicht das Set in Begleitung seiner damaligen Freundin, dem Model Jerry Hall. „Zwei seiner Koffer sind nicht angekommen“, so schreibt Herzog in seinem Buch „Eroberung des Nutzlosen“, „doch Mick fuhr mit einem Taxi zu uns heraus, und weil der Fahrer ihn nicht die letzten hundert Meter durch die Schlammlöcher befördern wollte, fand ich ihn in der Dunkelheit in Smoking und Turnschuhen, wie er sich den Weg ertastete. Jagger erzählte, von Lachen geschüttelt, dass Schauspieler Jason Robards und Adorf ihm anvertraut hatten, sie hätten beide ihr Testament geschrieben, weil sie im Urwald arbeiten würden.“ Der halbe Film wurde mit diesen drei Hauptakteuren gedreht, auch wenn sich zu diesem frühen Produktions- Zeitpunkt schon die Widrigkeiten mehrten. Die südamerikanischen Mitarbeiter streikten, die Flüsse stiegen über die Ufer und das Regenwetter war fürchterlich. „Das Wasser stieg so hoch“, so Herzog weiter in seinen Arbeitsnotizen, „dass es durch die Bodenplattform meiner Hütte drang. Morgens, als ich in die klamme Hose fuhr, drehte ich ein Hosenbein um und ein Frosch sprang raus.“ Als die Tonleute irgendwo in Brasilien strandeten, half Jagger sogar als Chauffeur mit seinem Mietwagen aus, um die Schauspieler, die für die Nebenrollen besetzt waren, ins Hotel zu bringen. Außerdem waren Unfälle wie Schlangen- oder Moskitobisse beim Filmteam an der Tagesordnung. Doch es kam noch schlimmer. Nachdem Robards die Dreharbeiten wegen einer Lungenentzündung abbrechen musste, war guter Rat teuer. Als dann auch noch Adorf das Set verließ, weil er ein Anschluss-Engagement bei Rainer Werner Fassbinder für den Film „Lola“ hatte, musste ausgerechnet auch noch Mick Jagger weichen. Für ihn standen Tour- Verpflichtungen mit den Rolling Stones auf dem Plan. Doch die Losung „It’s only Fitzcarraldo, but I like it“ stand für Werner Herzog unverrückbar an erster Stelle. Er gab Klaus Kinski die Hauptrolle, strich den Jagger-Part aus dem Drehbuch und drehte noch mal von vorn. Dank der grenzenlosen Exzentrik von Kinski mehrten sich die Widrigkeiten in der zweiten Version dann noch einmal um ein Vielfaches.

Peter Hesse