Molly Hatchet

SONY DSCRockiger Aufruf für mehr Gerechtigkeit.

Für Bobby Ingram sind Begriffe wie „Fürsorge“, „Treue“ oder „Solidarität“ keine leeren Hülsen. Der Gitarrist und Haupt-Songschreiber von Molly Hatchet ist Mitglied der »Southern Community«, zu denen auch Bands wie Lynyrd Skynyrd oder die Allman Brothers zählen. Sie alle teilen nicht nur einen ähnlichen Musikgeschmack, sondern auch die Lebensphilosophie eines familiären Miteinanders. Wer zum erweiterten Kreis dazu gehört, kann sich auf absolute Loyalität verlassen, besonders in Krisen: „Wir sind unserer Plattenfirma trotz ihrer wirtschaftlichen Probleme treu geblieben, weil sie unsere Freunde sind und immer zu Molly Hatchet gestanden haben“, erklärt Ingram die fünf Jahre zwischen der letzten Veröffentlichung und dem neuen Werk JUSTICE.

Das aktuelle Album entschädigt mit einem knappen Dutzend handfester Southern Rock-Hymnen, die geschickt auf die Reibeisenstimme von Sänger Phil McCormack zugeschnitten sind und in gewohnter Weise den ausgeprägten Gerechtigkeitssinn der amerikanischen Südstaatenrocker artikuliert. In Titelsong beispielsweise heißt es: „We need some justice to make the wrong into right“.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund für die Verzögerung: Mitten während der Produktion zu WARRIORS OF THE RAINBOW BRIDGE (2005) verstarb überraschend Ingrams Ehefrau Stephanie: „Sie war quasi Bandmitglied und kümmerte sich um viele Dinge hinter den Kulissen. Das alles musste erst neu organisiert werden. Aber ich habe dennoch viel gelernt in dieser Zeit: Ich merkte, wie viel Schmerz ich ertragen kann. Wichtig war in dieser Zeit der Trost, den mir Freunde zusprachen.“

Eine solche Hilfe lassen Ingram und Molly Hatchet zurzeit auch einer Familie in Florida zukommen, deren siebenjährige Tochter entführt und auf grausame Weise ermordet wurde. Zu ihrem Gedenken hat die Band das Lied ›Fly On Wings Of Angels (Somer’s Song)‹ geschrieben, in dem die Schwester des Opfers zu hören ist. Zeitgleich stellten sich Molly Hatchet für ein Benefizkonzert zur Verfügung, bei dem Gelder für die neu gegründete „Somer Thompson Stiftung“ gesammelt wurden. Deren Ziel ist es, die Polizei bei der schnellen Ergreifung des Täters zu unterstützen. Ingram erklärt: „Die Eltern des Mädchens luden mich zu sich ein. Es war erschreckend zu sehen, wie viel Presse vor dem Haus herumlungerte. Ich nahm die Mutter in den Arm und sagte ihr: ‚Ich kenne das Gefühl, ich habe selbst Tragödien erlebt. Nicht eine so schreckliche wie eure, aber ich kann nachvoll-ziehen, wie euch zumute ist. Ich stehe euch zur Seite.‘ Fast jeden Tag rufe ich sie an, wir sammeln Spendengelder, veranstalteten Benefizkonzerte.“ Das ist es, was Bobby Ingram mit der Fürsorge und Solidarität meint, von der seine Band auf JUSTICE singt.

Matthias Mineur