Neuigkeiten zu: Billy Gibbons

billy gibbonsDer ZZ-Top-Mann belebt die 60s-Band wieder – und verspricht neues Material.

Billy Gibbons nahm letzten Monat an der Neugründung seiner Prä-ZZ-Top-Band Moving Sidewalks teil und spielte einen Gig in New York, bevor sie als Headliner beim Austin Psych Fest aufraten und dann ins Studio gingen, um neue Stücke einzuspielen. Laut Gib- bons haben sie fünf alte Songs neu aufgenommen „in einem zeitgemäßeren Arrangement“ und fünf neue Tracks. Die Reunion bedeutet nicht das Ende von ZZ Top, die in den kommenden Monaten in den USA und Europa touren werden, doch weitere Sidewalks-Konzerte sind nicht ausgeschlossen. „Na ja“, raunt Gibbons, „ein Geschäftsmodell gibt es hierfür nicht.“

Die Moving Sidewalks wurden Mitte der 60er in Houston gegründet und fingen als R&B-Band an, bevor sie sich dem psychedelischen Rock verschrieben, inspiriert von den 13th Floor Elevators und der Jimi Hendrix Experience. Sie nahmen nur zwei Stunden Musik auf und veröffentlichten ein Album, FLASH, bevor sie sich 1969 auflösten, als Bassist Don Summers und Organist Tom Moore eingezogen wurden, um in Vietnam zu kämpfen.

Obwohl Ruhm und Reichtum in greifbarer Nähe lagen und Gibbons von Hendrix als einer von Ameri- kas besten Gitarristen gelobt wurde, war er nur ein junger Typ, der endlich einen Plattenvertrag an Land gezogen hatte. Nach dem Split war er am Boden zer- stört. „Es war ein abruptes Ende. Aber das Gute an der Geschichte ist, dass wir alle über die vergangenen vier Jahrzehnte weiter Musik machten und immer besser wurden.“

Die Reunion war die Idee von Jon Weiss, einem New Yorker Promoter, der sich in den letzten 15 Jahren darauf spezialisiert hat, für seinen „Cavestomp!“- Abend obskure Garagen-Acts der 60er wiederzube- leben (frühere Erfolge waren u.a. The Sonics, ? And The Mysterians, The Blues Magoos). „Nur wenige Mitglieder von Garagenbands der 60er wurden zu echten Rockstars“, so Weiss. „Die Moving Sidewalks sind die seltene Ausnahme. Hoch angesehen und sehr talentiert, konnten sie auf denselben Bühnen wie The Doors, die Jeff Beck Group und Hendrix mithalten, ihr Lied ›99th Floor‹ war ein regionaler Nr.1-Hit. Aber die Moving Sidewalks waren auch Billy Gib- bons‘ Sprungbrett zum Superstar-Status.

Weiss empfiehlt, dass die „Cavestomp!“-Bands ihrem Original-Sound möglichst treu bleiben, statt ihn für das 21. Jahrhundert zu modernisieren was für Gibbons ein seltsamer Schritt zu sein scheint. Schließlich sind ZZ Top berühmt für ihre fortschrittliche Herangehensweise, in den 80ern setzten sie auf Synthies, programmierte Drums und digitale Aufnahmen. Da ist es keine Überraschung, dass die Sidewalks nicht auf Teufel komm raus versuchen werden, ihren Sound aus den 60ern zu reproduzieren.

„Es wäre beinahe unmöglich, den Stil von Teenagern nachzuempfinden“, kichert Gibbons, „aber wir dachten: ‚Wieso gehen wir nicht ins Studio und finden heraus, ob wir wieder die Zauberformel entdecken?‘ Ich finde, eine neue Veröffentlichung gibt dem Ganzen noch ein gewisses Maß an Legitimität.“

Über den ersten Gig der frisch wiedervereinten Band beim „Cavestomp!“ in New York sagt Gibbons: „Wir erlebten eine Zeitreise in ihrer schönsten Form!

Wir machten da weiter, wo wir 1969 aufgehört hatten.“ Das sah man auch letzten Monat in Texas, wo die Moving Sidewalks als Headliner des Austin Psych Fests triumphierten. Kaum bekannte Originale wie ›Joe Blues‹ und ›99th Floor‹ klangen wie alte Klassiker, während ›You Don‘t Know The Life‹ mit subtiler Eleganz swingte. Selbst ihrem einstigen Tourkollegen Hendrix erwiesen sie mit zwei Covers von ›Red House‹ und ›Foxy Lady‹ ihre Reverenz.

„Ich weiß noch, wie ich mal in einem Hotel im Zimmer gegenüber von Hendrix untergebracht war“, so Gibbons. „Er hatte sich einen Plattenspieler aufs Zimmer bringen lassen, winkte mir zu und sagte, ‚C‘mon, ich will dir was vorspielen.‘ Und er hörte sich das erste Soloalbum von Jeff Beck an, TRUTH. Nun, ich hatte Jeff Beck getroffen wir hatten sogar ein paar Konzerte mit der Jeff Beck Group in Texas gespielt – und er sagte: ‚Wie glaubst du denn, dass er das macht?‘ Und er machte den Stil von Jeff Beck nach, aber als es aus seiner Hand kam, war es natürlich ungleich abgehobener. Er machte Dinge mit einer Gitarre, von denen ihre Schöpfer nie auch nur geträumt hatten.“ Und wie fühlte es sich an, als er später sagte, du seist der vielversprechendste junge Gitarrist der USA? „Ich musste mich reinknien und zu lernen beginnen!“

Texas war eines der Zentren für Psychedelic in den USA die Moving Sidewalks aus Houston folgten den Fußstapfen der 13th Floor Elevators aus Austin, Bubble Puppy und Red Crayola. „Unsere guten Freunde von den 13th Floor Elevators machten definitiv den Weg frei“, sagt Gibbons. „Ich schätze, Texaner sind sowie- so schon ziemlich mutig und experimentieren gerne. Es gibt immer noch diese Revolverheldenmentalität: ‚Wir kommen jetzt rein! Wir machen es so oder so!‘“

Sowohl die Elevators als auch die Sidewalks fingen mit R&B an und erforschten schnell exaltiertere Gefil- de. „Sie hatten ihre Hausaufgaben wirklich gemacht“, so Gibbons, „und dann brachten sie den Blues auf den Planeten Mars.“ Und der Raketentreibstoff, der beide Bands dorthin beförderte, waren psychedelische Drogen? „Das war gewissermaßen das Additiv. Was umso ungewöhnlicher war, als Texas absolut strikt gegen alles war, was halluzinogen oder bewusstseinserweiternd war. Man musste wirklich tapfer sein, um lange Haare zu haben und durch die Seitenstraßen zu schleichen, um ein bisschen von dem Zaubertrank zu finden, der deinen Geist beflügeln würde. Als es sich in der Gesellschaft etablierte, standen aber alle Türen offen. Peyote, Meskalin all das verrückte Zeug. Man wusste nie genau, was man da bekam, hahaha!“

Die Sidewalks legten nicht nur den Grundstein für ZZ Top, sondern erfanden auch ein paar Dinge, die heute synonymisch für die Tres Hombres stehen. Sidewalks-Bassist Don Summers war es, der die drehbare Gitarre entwickelte, die später von ZZ berühmt gemacht wurde. Summers überzog auch eine Gitarre mit Fell und schenkte sie Gibbons. „Summers ist einer dieser neugierigen Mechaniker“, sagt Gibbons liebevoll. „Wenn es sich dreht, Lärm macht und Gänge hat, ist er dabei.“ Summers hatte auch die Idee, die psychedelische Lightshow von damals für die Reunion zu modernisieren – und brachte Mini-iPads mit „psychedelischem Content“ unter den Gitarrensaiten an. Abgefahren…