Nazareth – Harte Arbeit und ehrliches Interesse

Seit inzwischen mehr als 45 Jahren sind die schottischen Hardrocker Nazareth ein Paradebeispiel für eine Working-Class-Band, die es ohne große Allüren zu Weltruhm und 60 Millionen verkauften Platten gebracht hat. Mit ihrem neuen Album ROCK’N’ROLL TELEPHONE heißt es nun aber Abschied nehmen von Bandgründer und Frontmann Dan McCafferty. Der Ausnahmekreischhals muss das Mikro mit 67 Jahren aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel hängen.

nazareth-rocknroll-telephone-6080Der 23. August 2013 ist der Tag, der für Dan McCafferty und Nazareth alles verändert. Das Veteranen-Quartett ist an diesem Freitagabend für das Summerdays-Festival in Arbon am Bodensee gebucht. 12.000 Besucher freuen sich auf die alten Haudegen, die sich im deutschsprachigen Raum vor allem mit ihren Powerballaden ›Love Hurts‹ und ›Dream On‹ für immer ins kollektive Gedächtnis gefressen haben. Doch bis zu ihren Monsterhits kommt die Band nicht. Nach drei Songs bleibt Dan im wahrsten Sinne des Wortes die Luft weg. Der Sänger leidet schon länger an COPD, einer chronischen Lungenerkrankung, deren Symptome plötzlich und ohne Vorwarnung auftreten können. Das hat ihn auch schon zuvor des Öfteren behindert, aber als er an diesem Abend nach gerade einmal einer Viertelstunde von der Bühne geführt werden muss, trifft der Frontmann eine spontane, aber unumstößliche Entscheidung: Es ist aus mit den Live-Auftritten! Innerhalb von einer Woche macht er Nägel mit Köpfen und verkündet seinen Abschied auch öffentlich. „Ich hatte ja zuvor bereits Probleme, und als es bei dem Konzert in der Schweiz wieder passierte, musste ich mir eingestehen, dass es einfach nicht mehr geht. Das war ich der Band und auch unserem Publikum einfach schuldig“, erklärt der Frontmann mit den inzwischen grauen Locken und dem liebenswert breiten schottischen Akzent, als er CLASSIC ROCK in einer Kölner Nobelherberge gegenübersitzt. „Letztlich ist es ganz einfach: Wenn du deinen Job nicht mehr erledigen kannst, musst du ihn an den Nagel hängen!“

Trotzdem ist nicht zu übersehen, dass er auch Monate nach seinem unfreiwilligen Abschied von der Live-Bühne noch ziemlich geknickt ist. „Ich bin schon traurig. Die Tatsache, dass ich aufhören muss zu touren und Nazareth sich einen neuen Sänger suchen mussten, setzt mir sehr zu“, gesteht er. Denn auch wenn er inzwischen das Rentenalter erreicht hat – Pläne für den Ruhestand hatte er eigentlich noch keine. „Ich habe keinen blassen Schimmer“, antwortet er auf die Frage, was er denn nun mit der unerwarteten Freizeit anfangen wird. „Das alles ist immer noch so neu für mich. Ich habe mein Leben ganz der Musik gewidmet, der Musik und meiner Familie. Abseits davon habe ich keine Hobbys, denen ich jetzt nachgehen könnte.“