Mötley Crüe & Alice Cooper: Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle (08.11.15)

Mötley-Crüe_002Der laute Abschied einer Legende.

Seit dem 02.07.2014 befinden sich Mötley Crüe auf ihrer (vertraglich besiegelten) letzten Konzertreise, die um Schlag Mitternacht am 31.12.2015 die Karriere der Ur-Väter des Sleaze Rock unwiderruflich beenden wird. Dass dabei gleich drei Gastspiele in Deutschland auf dem Tourplan stehen, ist als „kleine“ Sensation zu werten, zumal zwei Venues davon in der 10.000+ Kategorie angesiedelt sind. Bei Kartenpreisen zwischen 83,48 € (Stehplatz) und 123,48€ (Kategorie 1 Sitzplatz) ein mutiges Unterfangen, das einmal klappt (Düsseldorf) und einmal nicht (Stuttgart). Dabei sollte man der Crüe jedoch zugute halten, dass sie bei diesen beiden Gigs das erste Mal in der 34-jährigen Bandgeschichte mit einer fast vollen US-Produktion, bei der lediglich die schwebende Ministage während ›Home Sweet Home‹ fehlt, in unseren Breitengraden unterwegs ist.
Bevor Nikki, Mick, Tommy und Vince Stuttgart in eine Zeit zurück katapultieren, in der Rockstars noch Rockstars waren, darf Altmeister Alice Cooper in der zu einem Drittel abgehängten Hanns-Martin-Schleyer-Halle seinen Schabernack treiben. Cooper fährt selbstverständlich alle kultigen Gimmicks auf und legt in gut 50 Minuten eine gewohnt kurzweilige Show auf die Bretter, die leider aufgrund einer lebenden Python einen faden Beigeschmack behält. Nach einer guten halben Stunde Umbaupause und einer gefühlten Rauchvergiftung im heillos überfüllten Raucherbereich liefern Mötley Crüe den schätzungsweise 6.000 Crüeheads eine Performance zum Niederknien. Klar verschluckt Vince das ein oder andere Textfragment und Nikki holzt auf seinem Bass, als würde es kein Morgen geben, aber darauf kommt es bei einem Konzert der Sunset-Strip-Legenden auch nicht an. Die Songs zünden, es explodiert, es brennt, die Lichtshow ist eine der besten 2015 und mit der Crüecify (Tommy Lees Schlagzeugachterbahn), Sixxs Flammenwerferbass oder den Roboterarmen der „Transformer Stage“ zaubern die Sleaze-Rocker genug Spielzeug für drei Konkurrenzshows aus dem Ärmel. Cooler kann man einen Abschied nicht feiern!