Michael Monroe & Hardcore Superstar: München, Backstage Halle (21.10.15)

MichaelMonroe_c_Ville_Juurikkala-2-3Großes Schultreffen.

An diesem Mittwochabend findet ein echtes Ge­­nerationentreffen der Poser (dieser Be­­griff soll hier keineswegs im negativen Sinne benutzt werden) auf und vor der Bühne im Backstage statt. Als Opener der finnisch-schwedischen Doppel-Headliner-Show heizen die israelischen Jung-Sleazer von Chase The Ace dem altersmäßig und optisch bunten Publikum mit ihrem an Guns N‘ Roses erinnernden Sound schon mal gut ein, bevor es dann richtig spektakulär wird.
Michael Monroe, Berufsjugendlicher, Paradiesvogel und Musiklegende präsentiert eine ebenso vielseitige wie grandiose Mischung. Unter anderem unterstützt von Sami Yaffa am Bass (Hanoi Rocks, New York Dolls) und Steve Conte (New York Dolls, Suzi Quatro) an der Gitarre, zelebriert er mit Solo-Nummern vom neuen Album BLACKOUT STATES, älteren Alleingängen wie ›Man With No Eyes‹ und ›Dead, Jail Or Rock’n’Roll‹ sowie Hanoi-Rocks-Klassikern wie ›Malibu Beach‹ die hohe Kunst der Posen und des Posens. Monroe, der immer noch aussieht wie eine Mischung aus David Lee Roth, Vince Neil und Bret Michaels (allesamt in ihren besten Jahren) ist buchstäblich nicht zu bremsen, klettert die seitlichen Bühnen-Traversen hoch und stranguliert sich beinahe minütlich spektakulär schwungvoll mit seinem Mikrofonkabel.
Kein Wunder, dass zahlreiche Künstler der 80er Jahre, speziell Axl Rose, den wilden Michael und diessen Hanoi Rocks immer wieder als Einfluss nannten und nennen. Hier erlebt man eine große, sleazige und glammige Rock’n’Roll-Performance wie bei den Gunners zu ihren besten Zeiten. Als der Godfather des Glam-Punk nach einer guten Stunde redlich ausgepumpt abtritt, sind zumindest die etwas Älteren im Publikum von der erlebten Energie ziemlich geplättet, die Jüngeren aber sind noch heiß auf den zweiten Headliner des Abends.
Die ebenfalls von Guns N‘ Roses und natürlich Hanoi Rocks beeinflussten Sleaze-Metaller von Hardcore Superstar setzen mit vielen Gassenhauern wie ›Sadistic Girls‹, ›Wild Boys‹ und natürlich ›Last Call For Alcohol‹ und ›We Don’t Celebrate Sundays‹ lautstark nach, sind aber bei weitem nicht so aktiv wie der Vorgänger.
Die „jugendliche“ Leichtigkeit von Monroe bügeln die Schweden dann mit zu viel Lautstärke aber starker Performance etwas nieder, werden aber wesentlich mehr gefeiert als ihr Vorreiter. Kurz vor Mitternacht geht ein starker Abend voll mit Old School-, New School- und Neo-School-Rock’n’Roll zu Ende und die Frage „wer hat’s erfunden?“ ist zumindest für die meisten beantwortet.