Meilensteine: Sid Vicious und Nancy Spungen – Drama einer Nacht

sid vicious12. Oktober 1978: Nancy Spungens ominöser Tod im New Yorker Chelsea Hotel.

Was wirklich geschah in der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 1978 im Zimmer 100 des New Yorker Chelsea Hotel, wird wohl ebenso ein Geheimnis bleiben wie der Tod des mutmaßlichen Täters Sid Vicious wenige Monate später. Vicious, der 1977 Ur-Bassist Glen Matlock bei den Sex Pistols ersetzt hatte, nahm die Wahrheit über den Tod seiner amerikanischen Freundin und Managerin Nancy Spungen mit ins Grab.

Wenige Monate später war das, am 2. Februar 1979. Nach 55-tägiger Haft mit Heroinentzug im berüchtigten Knast Rikers Island wurde Vicious freigelassen – gegen eine fünfstellige Kautionssumme, hinterlegt von Mick Jagger. Einen Tag später starb Vicious alias John Beverly alias John Simon Ritchie in einem Apartment in Manhattan an einer Überdosis Heroin, die ihm sein Freund Peter Kodick be­­sorgt hatte. Obwohl diverse Personen anwesend waren, die wohl versuchten, den schwer Angeschlagenen wachzuhalten, fand Vicious‘ Mutter Anne Beverly ihn am nächsten Morgen tot auf. Warum keiner in der Nacht eine Ambulanz gerufen hatte, blieb ebenso offen wie die Frage, wer überhaupt alles vor Ort gewesen war.

Auch Nancy Spungens gewaltsamen Tod umgeben zahllose Ungereimtheiten: Zuerst be­­hauptete Vicious, er habe Spungen nach einer Drogennacht am Morgen tot auf dem Badezimmerboden aufgefunden – mit einem tiefen Messerstich im Bauch, an dem sie verblutet war. Das Tatwerkzeug gehörte Vicious. Gestritten habe er mit ihr, wie so häufig, seit die unheilige Allianz Vicious-Spungen begonnen hatte.

In weiteren Details widersprach er sich: Mal hieß es, er stach auf sie ein, wollte sie aber keinesfalls töten, dann wieder, dass sie während des Streits ins Messer gefallen wäre. Dass das Pärchen Hassliebe füreinander empfand, sadomasochistische Rollenspiele praktizierte und auch sonst zur physischen Gewalt neigte, dürfte unbestritten sein.

Wenige Tage nach seinem Ableben fand Sids Mutter angeblich einen Ab­­schiedsbrief in seiner Jacke: „Wir hatten einen Todespakt und ich muss meinen Teil des Versprechens einlösen. Bitte beerdigt mich in meiner Lederjacke, Jeans und Motorradstiefeln neben meinem Baby“.