PEARL JAM: O2 Arena, Berlin

Pearl JamPJ-Mania in der Hauptstadt

Auch das zweite Konzert ist mit 14.000 Fans ausverkauft. Kenner unter den PJ-Anhängern stehen im Innenraum und verteilen sich wie folgt: Wer heftige Rockattacken mit Ausflügen in den Classic Rock schätzt, steht auf der Bühnenseite von Gitarrist Mike McCready. Auf der Stone-Gossard-Seite finden sich Intellektuelle und Öko-Freaks, die es eher dezent mögen. In der Mitte schließlich sammeln sich Freundinnen und Freunde der „pretty Boys“ in Gestalt von Charismatiker Eddie Vedder und Basser Jeff Ament. Vor der Show der Giganten aus Seattle hatten X ihren knappen, aber heftigen Auftritt. Sie zeigten einmal mehr, dass ihr Westcoast Punk stets offen war für Einflüsse aus Rockabilly, Country und Folk. Kugelblitz Exene Cervenka ist immer noch eine Ausnahmegestalt im Bereich des Rock´n´Roll, kein Püppchen, sondern taffe Frau mit individuellen Ansichten. Als Gast begrüßte John Doe dann „the man who needs no introduction“, Mr. Eddie Vedder höchstselbst. Mit einem hochkarätig besetzten Duett verabschiedeten sich die legendären LA Punks, die von den Berlinern freundlichen Beifall ernteten. Die erwähnten PJ-Kenner horchen auf, als das Quintett (erweitert um Keyboarder Boom Gasper) mit „Oceans“ einsteigt, einer echten Rarität. Von Anfang an zeigt sich das Publikum höchst interaktionsfreudig, es klatscht und singt bei jeder Gelegenheit. Es folgen Titel wie „Animal“ und „Corduroy“ bevor Vedder das Konzert stoppt und das übermotiviert drängelnde Publikum erstmal drei Schritte zurücktreten lässt. Danach verkündet er, es handele sich heute Nacht um die 999. Show der gesamten PJ-Karriere. Bei „Even Flow“ zelebriert McCready seine Künste, zitiert Hendrix und Stevie Ray Vaughan und bringt den Saal zum Kochen. Im Anschluss berichtet Eddie Vedder von seinem siebenstündigen (!) Besuch im Berliner Ramones Museum, bevor die Band das getragene „Come Back“ intoniert, das Johnny Ramone gewidmet ist. Ihr Evergreen „Alive“, das ekstatische Who-Cover „Baba O´Riley“ sowie ein entspanntes „Yellow Leadbetter“ beenden den Triumph des Grunge-Dinos, der über eine höchst begeisterungsfähige Fanschar verfügt und sich in der früheren Mauerstadt echt wohlzufühlen scheint.