Live: Deep Purple und The Who

DeepPurple_band_7 photocredit Jim Rakete

Deep Purple
Olympiahalle, München

Das lebende Rock-Monument

Seit 44 Jahren sind Deep Purple die Konstante des Hard Rock. In Besetzungsformation Nummer sieben (genannt Mk VII), die so mittlerweile auch schon seit über zehn Jahren besteht, sind sie wieder auf Konzertreise und bieten auf dem gesamten Globus ihre Rockhistorie zum Anfassen für die ganze Familie. Sänger Ian Gillan, Steve Morse an der Gitarre, Bassist Roger Glover, Keyboarder Don Airey und das einzige verbleibende Gründungsmitglied, Drummer Ian Paice, deren Band immerhin vier Jahre älter als die legendäre Münchner Olympiahalle ist, werden auch an diesem Abend – so viel vorweg – nicht enttäuschen. Alles andere wäre schließlich ein Novum in der langen Bandgeschichte. Bevor Deep Purple ihre Show mit einem kräftigen ›Fireball‹ eröffnen, dürfen noch Edguy, deren Stil wirklich Geschmackssache ist, in den Genuss des Münchner Publikums und vereinzelt umgekehrt kommen. Angesichts des doch fortgeschrittenen Alters der Protagonisten ist bereits der Anfang der Show von Deep Purple beachtlich. Jedoch können sich die fünf englischen Herren im Laufe des Abends noch weiter steigern. So legen sie eine mit Soli von Steve Morse, Ian Paice und Don Airey aufgelockerte, musikalisch hochwertige Performance über 15 Songs hin. Die Setlist, die Lieder wie ›Hard Lovin‘ Man‹, ›Space Truckin’‹ und zu guter Letzt ›Smoke On The Water‹ enthält, lässt kaum einen Hit vermissen. Nur ›Child In Time‹ wird – wer mag es dem 67-jährigen Ian Gillan verübeln? – von Deep Purple nicht mehr auf die Bühne gebracht. Der darauf folgende Zugabenblock umfasst dann noch mal drei weitere Songs: Das rasante ›Speed King‹, der ursprünglich von Joe South komponierte Klassiker ›Hush‹ und als großes Finale ›Black Night‹. Roger Glover bekommt außerdem noch die Gelegenheit, sich und seinen Geburtstag mit Bass-Solo zu feiern. Ohne großes Effektbrimborium beweisen Deep Purple an diesem Abend Jung womöglich zum ersten Mal und Alt erneut, dass sie es verdient haben, in Stein gemeißelt zu werden.

Text: Paul Schmitz

The Who
Honda Centre, Anaheim
Who-ndabar!

Habt ihr schon mal belgisches Dünnbier für 12 Dollar den Becher getrunken? Nein? Dann auf nach Disneyworld, wo man zudem 20 Dollar Parkgebühren und stolze 128 Dollar pro Ticket hinblättern muss, um eine der dienstältesten Bands des Rockbiz zu erleben – oder besser: die Hälfte davon. Denn Pete Townshend und Roger Daltrey, 67 bzw. 68 Lenze, sind die letzten Überlebenden der Originalbesetzung. Was sie nicht daran hindert, die kongeniale ’73er Rockoper über Jimmy, den pillenschluckenden Mod, auf die Bühne zu bringen. Und das sogar richtig gut. Angefangen bei einer achtköpfigen Band, die so brillante Musiker wie Zak Starkey (trommelnder Sohn von Ringo), Bass-Guru Pino Palladino, Simon Townshend (Bruder von Pete) oder Keyboard-Altmeister Frank Simes umfasst. Dazu ein glasklarer Sound, tolle visuelle Elemente, die das Zeitgeschehen des frühen 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart dokumentieren und die Musik in einen historischen Kontext betten, sowie zwei Frontleute, die sichtlich Spaß haben. Allen voran Townshend, der mittlerweile wie ein Rockopi mit leichtem Buckel und fülligem Körpervolumen wirkt, aber weiterhin die Windmühle bringt und den tosenden Applaus eines Publikums jenseits der 50 sichtlich genießt. Genau wie Kollege Daltrey, der leicht verschnupft ist, Probleme mit den hohen Tönen hat, aber trotzdem auf Rock’n’Roll-Adonis mit freiem Oberkörper macht. Beide zusammen haben die Power und die Leidenschaft einer Dampfwalze, spielen sich erst durch 80 Minuten Quadrophenia und dann noch durch einen Zugabenblock aus fünf Klassikern: ›Who Are You‹, ›Behind Blue Eyes‹, ›Pinball Wizzard‹, ›Baba O’Riley‹ und natürlich ›Won’t Get Fooled Again‹. Wovon die 18.000 Zuschauer gerne noch ein bisschen mehr hätten, sich an stehenden Ovationen vergehen und Towns­hend, sichtlich gerührt, sogar noch eine Zugabe entlocken. Die erweist sich allerdings als ›Tea & Theatre‹ vom letzten Album – und spätestens da ist es Zeit, das Dünnbier auf die nächste Toilette bzw. das 50-Dollar-T-Shirt in den Leihwagen zu bringen. 1973 war eben ein
who-nderbarer Jahrgang…