Live: Black Star Riders und Ugly Kid Joe und The Last Vegas

BlackStarRiders2013b

Black Star Riders
Köln, Kantine

Große Töne für kleines Volk

Mit „Supergroups“ ist das ja oft so eine Sache: Entweder die Alben sind halbgar und der Ruf nach großem Geld durch große Namen erstickt die Kreativität der Beteiligten schon im Keim, oder die involvierten Szenegrößen haben richtig Lust, einen gemeinsamen kreativen Prozess zu vollziehen. In solchen rar gesäten Momenten werden uns Alben wie ALL HELL BREAKS LOOSE von den Black Star Riders beschert. Es wäre für die Herren Ricky Warwick, Jimmy de Grasso, Damon Johnson, Marco Mendoza und Scott Gorham ein Leichtes, unter dem Banner von Gorhams Thin Lizzy weiter Greatest-Hits-Tourneen zu spielen. Die fünf Ausnahmemusiker wählten aber den Neuanfang mit anderem Bandnamen und exzellentem Songmaterial, welches nun in europäischen Hallen live vorgestellt wird. Dass gute Festival-Auftritte im Sommer und starke Songs im Gepäck keine Garantie für volle Hallen sind, müssen die Black Star Riders auch in Köln leidvoll feststellen. Wurden schon diverse Konzerte vorher, angeblich wegen persönlicher Gründe, komplett abgesagt, musste auch die Kölner Show aus der traditionsreichen Live Music Hall in die kleinere Kantine am Stadtrand verlegt werden. Beim Eintreffen bietet sich ein trauriges Bild: ca. 150 Gäste harren in der zu ¾ leeren Halle der Dinge, die da kommen. Mit ›All Hell Breaks Loose‹ starten BSR ein furioses Set, welches jeweils zur Hälfte aus Songs vom Debütalbum und Thin-Lizzy-Gassenhauern besteht. Ricky Warwick ist als Rampensau bekannt, und diesem Ruf wird der hart arbeitende Ire auch am heutigen Abend vollauf gerecht.

Zunächst verpasst er seinen etwas enttäuscht dreinblickenden Bühnenkollegen einen Tritt in den Allerwertesten, um dann nach kurzer Aufwärmphase auch das gealterte Publikum mit dem Klassiker ›Jailbreak‹ zum Abrocken zu bewegen. Deutlich ist zu spüren, dass Jimmy de Grasso lange bei Megadeth die Felle verdroschen hat. Der Geschwindigkeitsanzeiger schlägt deutlich höher aus, als man es von den BSR- und Thin-Lizzy-Tonträgern gewohnt ist. Thin-Lizzy-Urgestein Scott Gorham kommentiert dies lediglich mit einem verschmitzten Grinsen und der Ansage: „This is Thin Lizzy, Sex Pistols style…“ Im Anschluss motivieren die energetisch vorgetragenen Neukompositionen ›Hey Judas‹ und ›Valley Of The Stones‹ auch die letzten Reihen an der Bar zu gereckten Fäusten. Natürlich dürfen an diesem Abend die großen Thin- Lizzy-Klassiker nicht fehlen, so dass ›The Boys Are Back In Town‹ und ›Whiskey In The Jar‹ nochmal für Begeisterungsstürme sorgen. Das Bob Seger-Cover ›Rosalie‹ entlässt alle Anwesenden nach knapp zwei Stunden Spielzeit glücklich in die kalte Nacht.

Alex Stauf

Ugly Kid Joe & Skid Row
Ludwigsburg, Rockfabrik

Old School? Von wegen!

Volles Haus in Ludwigsburg – und zwar so voll, dass vom Publikum selbst die Gänge als Stehplatz genutzt werden. Bei einem 90s-Legendenpaket wie dem heutigen, das mit schlappen 30 Euronen zwei volle Sets von Ugly Kid Joe und Skid Row bietet, ist der Ansturm auch kein Wunder, denn es hagelt Hits, Hits und noch mal Hits! UKJ entern um kurz nach 21.00 Uhr die Bühne. Zu bestaunen gibt es eine Show auf dem exakt selben hohen Level wie zur STAIRWAY TO HELL-Sommer-Tour (Review in Classic Rock #24 – Anm.d.A). Nach den letzten Klängen des Motörhead-Covers ›Ace Of Spades‹ knistert die Luft: Werden Skid Row nach fast zehnjähriger Deutschlandabstinenz dagegen bestehen können? Alleine die Stage-Presence von Dave „The Snake“ Sabo und Rachel Bolan lässt diese Frage als obsolet erscheinen. Sie geben Gas und feuern einen Kracher nach dem anderen aus ihrem Backkatalog – selbst Songs der von vielen Fans verschmähten Scheiben THICKSKIN und REVOLUTION PER MINUTE finden ihren Weg in die Setlist, die am heutigen Abend eine Premiere zu verzeichnen hat: ›This Is Killing Me‹ von der aktuellen E.P. UNITED WORLD REBELLION. Den schwersten Job während des gesamten Konzerts hat eindeutig Scotti Hill. Vor ihm entledigt sich eine – augenscheinlich – angetrunkene gutaussehende junge Dame im Minutentakt ihres Oberteils, was Hill mit Dauergrinsen honoriert. Leider ist nach der Bandhymne ›Youth Gone Wild‹ um kurz nach Mitternacht Schicht im Row-Schacht. Jedoch mit dem Versprechen, dass die Band aus New Jersey 2014 zurückkehrt.

Chris Franzkowiak

The Last Vegas & Double Crush Syndrome
Lichtenfels, Paunchy Cats

Heißer Rock‘n‘Roll & coole Ermittlungen

Eigentlich sollten The Last Vegas als Special Guest von Hardcore Superstar und Buckcherry durch die Republik touren. Leider platzte aus Vertragsgründen dieser Slot im Vorfeld der Konzertreise und die Band aus Chicago stellte kurzerhand eine Reihe von eigenen Headlinershows auf die Beine. Da viele Fans im festen Glauben waren, dass die ehemaligen Zöglinge von Nikki Sixx im Vorprogamm der beiden Szenegrößen auftreten würden, sieht es am heutigen Abend im fränkischen Kultclub mehr als mau aus. Außer den DieHards sind heute nur eine Handvoll Rocker angereist. Dies stachelt Andy Brings‘ neues Projekt Double Crush Syndrome nur noch mehr an und der Mülheimer beweist einmal mehr, warum er so wichtig für Sodom auf dem Höhepunkt ihrer Karriere war. Im Publikum befinden sich auch Mike und Chrizzy von den Hollywood Burnouts, die erst an diesem Abend erfahren, dass sie ein paar Tage zuvor eigentlich als Anheizer für die Quireboys in Nürnberg gebucht waren. Bevor jedoch wegen diesem recht seltsamen Umstand Trübsal geblasen wird, stehen Chad Cherry und Co. auf der Bühne. Die Jungs, die vor fünf Jahren im Madison Square Garden mit Mötley Crüe rockten, legen ein derart scharfes Brett auf die Paunchy Stage, dass man meinen könnte sie stehen wieder auf der gigantischen Bühne im Big Apple. Die perfekte Setlist, gepaart mit einer unfassbaren Spielfreude, macht jetzt schon Lust auf das kommende Album des Fünfers aus der Windy City.

Chris Franzkowiak