Live: Amplifier

amplifier 2010München, Feierwerk

Allgegenwärtige Oktopusse und progressives Entertainment.

Für einen Montagabend werden heute erstaunlich viele Münchner ihrer Couch untreu: Rund 250 Fans lassen sich von den Schweinfurtern The Ghost Rockets anheizen und genießen die Mischung aus Beatsteaks-Punkrock und Space-Riffs. Weitaus schwelgerischer gehen Amplifier zur Sache. Die Manchester-Truppe startet mit ›The Wave‹ ins Set und geht direkt zu ›Interglacial Spell‹ über. Nach ›Planet Of Insects‹ kommt der Titelsong des neuen Albums THE OCTOPUS. Das Wappentier der Prog-Rocker ist heute omnipräsent. Überall ist die verschnörkelte Krake zu sehen, mehrfach auf dem Backdrop, auf den Verstärkern, auf den Instrumenten, sogar auf den Krawatten der Musiker. Fehlt eigentlich nur noch ein Meeres-Mikroständer…

Weitaus vielfältiger als die Optik gestaltet sich die Musik: Mal perlendflirrend, mal rau-drückend, mal vertrackt, mal markant-eingängig, Amplifier ziehen alle Register des Wortes „Abwechslungsreichtum“. Zudem sind die Vier um Sel Balamir (Gesang, Gitarre) gute Gastgeber. Selten eine Band gesehen, die einen derart introvertierten Sound macht, aber dennoch so locker für Unterhaltung sorgt. Nach dem Ende Sets wissen wir nicht nur, dass Amplifier ihren Sprung in die Selbständigkeit (ohne Label) gut überstanden haben, sondern auch, dass sie arm sind. Grund dafür: ein zu netter Manager und die Royal Bank of Scotland. Merke: Heuschrecken fressen offensichtlich gerne Oktupusse.

Text: Petra Schurer