Lebenslinien: Ian Anderson (Jethro Tull)

Claude Nobs
Claude gehörte zu meinen besten Freunden. Als Begründer des Montreux Jazz Festivals zählte er zusammen mit Bill Graham und einigen wenigen anderen zu den wichtigsten und erfolgreichsten Promotern der Welt. 1970 buchte er Jethro Tull fürs Montreux Jazz Festival. Er war mir immer eine große Hilfe, wenn ich Ruhe und Entspannung suchte. Ich fuhr 1972 zu ihm in die Schweiz, um an neuen Songs zu arbeiten, und ich fuhr 1975 ein zweites Mal nach Genf, um dort in Ruhe komponieren zu können. Ich habe ihn noch im letzten Sommer getroffen. Damals konnte man natürlich nicht ahnen, dass er sich Weihnachten beim Skifahren so schwer verletzen würde. Er soll gestürzt und mit dem Kopf auf einen Stein aufgeschlagen sein, heißt es. Ich vermisse ihn sehr, aber ich bin mir sicher, dass sein Name unvergessen bleiben wird und das Montreux Jazz Festival über seinen Tod hinaus noch viele Jahre existieren wird.

Queen Elizabeth II / Prince Charles
Die Queen sollte eigentlich eine Ehrung vornehmen, die mir ein Komittee in Westminster zugedacht hatte. Ich wurde geehrt, aber die Queen war nicht zugegen, als mir im Buckingham Palace der Preis übergeben wurde. Eigentlich war ich ganz froh, dass es dann letztendlich Prince Charles übernommen hat, denn die Queen ist nicht sonderlich kommunikativ. Ich finde, man merkt ihr an, dass sie ihre Aufgaben als Königin von England nicht allzu gerne übernimmt. Schon häufiger hätte ich mir gewünscht, dass sie zu Themen Stellung bezieht oder ihre Meinung äußert. Ich war auch enttäuscht über ihre Haltung zu Lady Di und ebenso zu Camilla Parker Bowles, die sie meines Erachtens viel früher hätte akzeptieren müssen. Prince Charles ist da ganz anders. Ich kenne ihn schon recht lange, er ist sehr charmant und hat die Zeremonie mit mir damals sehr souverän absolviert. Mir tat seine unglückliche Beziehung zu Diana immer leid.

phil collins press
Phil Collins
Ich muss zugeben, dass ich Phil Collins zu Zeiten von Genesis als Prog-Rock-Band zunächst nicht richtig wahrgenommen habe. Damals waren wir mit Jethro Tull auf anderen musikalischen Pfaden, insofern schenkte ich Genesis nur recht wenig Beachtung. Das änderte sich, als Peter Gabriel die Band verließ und die drei übrigen Gruppenmitglieder zu meiner Überraschung weitermachten. Ich fand es sehr mutig, dass Phil das Schlagzeug verließ und zum Gesangsmikrophon wechselte. Aber es funktionierte, und Phil machte wirklich einen tollen Job. In dieser Zeit bekam ich immer mehr Hochachtung vor ihm. Persönlich mit ihm gespielt habe ich erstmals beim Prince Of Wales Trust, ich glaube Lady Di war damals auch anwesend. Jethro Tull waren kurzfristig für David Bowie eingesprungen, der abgesagt hatte. Phil war auch anwesend, hatte aber keine eigene Band dabei, also spielte er mit einigen Mitgliedern von Jethro Tull. Er setzte sich ans Schlagzeug, und ich muss sagen: Er war wirklich super vorbereitet. Phil hat eine tadellose Arbeitsethik und macht alles, was er anpackt, mit großem Stolz. Er lebt ja in der Schweiz, wo ich auch ein Haus besitze. Leider hört man in letzter Zeit nicht viel Gutes, er soll große private Probleme gehabt haben und auch körperlich nicht in bester Verfassung sein. Trotzdem ist er für mich einer der größten Musiker aller Zeiten.