King Crimson: Stuttgart, Liederhalle (08.09.2016)

Beeindruckend, fordernd, Fan-freundlich

Ein gut aufgelegter Robert Fripp auf der Bühne, sichtlich zufrieden, im Reinen mit sich, seinen Mitmusikern, dem Konzerterlebnis als solchem. Sogar Zugaben gibt er! Langjährige King-Crimson-Fans reiben sich ungläubig die Augen, können ihr Glück kaum fassen, bei diesem Konzert dabei gewesen zu sein. Es ist das erste von zwei Stuttgarter Gastspielen in der jedes Mal restlos ausverkauften Liederhalle, ein zweigeteilter Abend von Musiknerds für Musiknerds.

Die waren aus allen Landesteilen gekommen, um ihre Helden zu sehen, bei einer Band wie King Crimson und einem unberechenbaren Bandkopf wie Fripp weiß man schließlich nie, wann das letzte Live-Stündlein geschlagen hat. Obwohl, so agil, so gelöst und so publikumsfreundlich erlebte man die Band lange nicht. Auf durchgehend höchstem Niveau dirigierte Maestro Fripp aus dem Hintergrund seine gegenwärtige Bandinkarnation, wechselte ständig die Gitarren, ließ aber überraschend wenig improvisieren und dazudichten, beschränkte sich bewusst auf eine hochwertige Reproduktion vieler unsterblicher Stücke. ›21st Century Schizoid Man‹ strahlt auch an diesem Abend ewig jugendlich, Bowies ›Heroes‹ zehrt wie viele andere Stücke von einem außerirdisch guten Gitarrensound.

Ohnehin ist der Klang brillant, die Show bewusst nicht vorhanden, das Licht bleibt lange stehen, wechselt nur selten mal die Farbe. Der Fokus soll, das ist bei einer Band wie dieser klar, voll und ganz auf der Musik liegen, auf den drei Schlagzeugern, die gleichzeitig agieren und ungeahnte Wunder vollbringen, auf dem relativ neuen Sänger Michael Jakszyk, der auch an diesem Abend für eine gute Leistung sorgt. Prog-Hirnknoten der späten 60er wechseln sich mit poppigeren Liedern. ›Larks’ Tongues In Aspic‹ oder das kolossale ›Red‹ in dieser Spiellaune live zu hören, wird so schnell nicht vergessen werden. Ein würdiger Abschied, sollte das tatsächlich das Ende gewesen sein.