Joe Bonamassa – Q&A

Joe Bonamassa 2010 2_Credit_Karen_Rosetzky_finalReife Leistung: Joe Bonamassa hat es nicht nur geschafft, sich vom Blues-Wunderkind zum international respektierten Gitarristen zu entwickeln, sondern dabei auch auf Augenhöhe mit den Legenden zu agieren.

Obwohl er gerade erst die 30er-Grenze überschritten hat, kann Joe Bonamassa schon auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Mit zarten zwölf Jahren ist dem Gitarrenvirtuosen bereits die Ehre zuteil geworden, eine Show für B.B. King zu eröffnen. Als er erstmals auf einem Album zu hören war, steckten gerade mal 17 Kerzen auf seiner Geburtstagstorte. Und er war damals nicht nur jung, sondern auch so talentiert, dass er es problemlos mit seinen damaligen Bloodline-Bandkollegen aufnehmen konnte, obwohl diese den Ruhm ihrer berühmten Väter (Miles Davis und Robby Krieger) zu ihrem Können hinzuaddieren konnten.

Inzwischen hat Joe Bonamassa es geschafft, sich als Solokünstler zu etablieren. Und mehr noch: Es ist ihm gelungen, seinen Kompositionen eine eigenständige, unverwechselbare Note zu verleihen, die ihm nicht nur eine wachsende Fan-Gemeinde, sondern auch Beifall von seinen großen Vorbildern beschert hat.

2010 aber ist für den Ausnahme-Gitarristen vielleicht das wichtigste Jahr seiner Karriere: Vor wenigen Tagen ist sein neues Album BLACK ROCK erschienen – die sage und schreibe neunte Platte innerhalb einer Dekade. Zudem spielt Bonamassa bei Black Country mit, der neuen Supergroup, in der auch Glenn Hughes, Derek Sherinian und Jason Bonham rocken. Bonamassa hat momentan so viel um die Ohren, dass man sich fragt, wann der Saitenheld eigentlich Zeit für so profane Dinge wie Schlaf oder Nahrungsaufnahme findet…

Joe, dein neues Album BLACK ROCK ist gerade erschienen – und sorgt erneut für Furore. Wie schaffst du es angesichts deines straffen Zeitplans, Raum für die Entwicklung neuer Ideen freizuschaufeln?
Ganz einfach: Ich habe versucht, mich mental wieder wie ein 18-Jähriger zu fühlen. Nachdem mein letztes Album THE BALLAD OF JOHN HENRY so erfolgreich war, dass ich sogar in der Londoner Royal Albert Hall auftreten konnte, musste ich einen Gang zurückschalten. Also habe ich mir gesagt: „Joe, stell dir einfach vor, wie es wäre, wenn du noch nie ein Album aufgenommen hättest. Wie würdest du dann an die Sache herangehen?“ Ich wollte mir also selbst beweisen, dass ich heute noch die gleiche Leidenschaft für Musik in mir trage wie damals.

Woran merkst du, dass dir das gelungen ist?
Zum Teil aufgrund der Reaktion der Fans. Außerdem habe ich eine sehr gute Beziehung zu meinem Produzenten Kevin Shirley: Ich kann ihm in die Augen sehen und weiß dann ganz genau, ob wir gerade einen Top-Song aufgenommen haben oder nicht. Mein schärfster Kritiker ist jedoch mein Vater. Da er aber zugleich auch mein größter Fan ist, kann ich mit Hilfe seiner Meinung immer abschätzen, ob ich auf dem richtigen Weg bin oder das Stück doch besser noch einmal überarbeiten sollte.

Du hast B.B. King als Gastmusiker gewonnen. Wie ist dir denn bitte dieses Kunststück gelungen?
Mr. King und ich kennen uns schon relativ lange. Allerdings hätte ich mich früher nie getraut, ihn um diese Ehre zu bitten. Doch dann bekam ich die Chance, auf einem Festival mit Steve Winwood ›The Low Spark Of High Heeled Boys‹ von Traffic zu covern. Es lief derart gut und machte so viel Spaß, dass ich danach mutig genug war, B.B. Kings Manager anzurufen und um einen Gastauftritt zu bitten. Und ich bin natürlich vor Freude in die Luft gesprungen, als er zusagte! Leider war ich gerade auf Tour, als er seine Parts für ›Night Life‹ einspielte. Er stand in Las Vegas im Studio, als ich in Luxemburg auf die Bühne ging… Aber er war so nett, das Textblatt für mich zu signieren und hat mir außerdem einen Brief geschrieben. Ich habe beides rahmen lassen und aufgehängt.

Mit ›Steal Your Heart Away‹ von Bobby Parker befindet sich auch eine interessante Coverversion auf dem neuen Album. Led Zeppelin hatten wohl einmal geplant, den Track auf einem ihrer frühen Alben zu veröffentlichen…
Ja, und es war Robert Plant, der mich auf die Idee gebracht hat, den Song nachzuspielen. Das Lied sollte eigentlich auf dem Zeppelin-Debüt erscheinen – die Band hatte ihn geprobt, dann aber doch nicht aufgenommen. Doch als Plant mir den Track empfohlen hat, war klar, dass ich mir die Sache auf jeden Fall überlegen sollte – wenn jemand wie er einem einen Rat gibt, hört man besser zu! Daher habe ich auch versucht, in dem Stück eine ähnliche Stimmung zu erzeugen wie der junge Jimmy Page. Dazu musste ich meine alte Telecaster wieder entmotten.

Neben deiner Solokarriere steht bei dir zurzeit auch das Black ­Country-Projekt auf dem Programm für 2010. Wie kam das Ganze eigentlich zu Stande?
Ich habe Glenn Hughes vor rund zwei Jahren kennengelernt, und im Grunde reden wir seither ständig darüber, gemeinsam Musik zu machen. Aber ich wollte, dass die Zusammenarbeit etwas Besonderes wird – nicht nur einfach ein kurzlebiges BonaHughes-Ding…

Als Glenn während meines Auftritts im „House Of Blues“ in L.A. auf die Bühne kam und mit mir ›Mistreated‹ von Deep Purple und ›Medusa‹ von seiner alten Band Trapeze zockte, war mir klar, dass er es ernst meinte. Kevin Shirley stand an diesem Abend im Publikum und war völlig begeistert. Er schlug vor, Jason und Derek in die Band zu holen. Und ehe wir uns versahen, saßen wir zu viert im ­Studio und arbeiteten an fünf neuen Songs.

Jason Bonham war es, der in einem Interview die Katze aus dem Sack gelassen hat, indem er alle Details zu eurem Projekt verriet. Wart ihr sauer auf ihn?
Nein, überhaupt nicht. Wir haben uns nur gedacht: „Na gut, dann lasst uns jetzt einfach diese Platte fertigstellen!“ Und ich kann mit Stolz sagen: Sie hat viele extrem eigenständige Momente.

Singst du darauf auch?
Nur selten. Aber warum sollte ich auch – dafür haben wir schließlich Glenn! Das wäre ja sonst so, als würde ich mit einem Sternekoch ein Menü planen und dann alles selbst zubereiten, statt ihn die Sache in die Hand nehmen zu lassen…

Malcolm Dome