Jello Biafra & The Guantanamo School Of Medicine 04.08., Frankfurt, Batschkapp (04.08.2016)

GRUNDSÄTZLICHE LINIENTREUE

Sendungsbewusstsein und Provokantes paart der 58 Jahre alte US-Polit-Propaganda-Veteran Jello Biafra – einst Frontmann der kalifornischen Punk-Legende The Dead Kennedys – auch heute noch mit prinzipieller Linientreue nach links­ideologischen Mustern. Hinzu gesellen sich Schwarzer Humor, der Drang zur Selbstdarstellung und harscher Punk. In wüstem Klangchaos wütet das Begleitquartett minutenlang, bis Mr. Biafra hereinstürmt, als würde er als engagierter Clown bei einem Kindergeburtstag auftreten. Zum Auftakt lässt er eine bitterböse Attacke auf US-Prädidentenanwärter Donald Trump ab: In ›Satan’s Combover‹ demonstriert Biafra nicht zum letzten Mal auch seine Fähigkeit übertrieben zu grimassieren, zu gestikulieren und messerscharf zu analysieren: Da nörgelt die beleibte Punk-Rock-Ikone über ›People With Too Much Time‹, reibt sich am noch amtierenden US-Präsidenten (›Barackstar O’Bummer‹) oder quengelt im Dead-Kennedys-Klassiker ›California über Alles‹ noch immer am Heimatland herum. Auch in den Zwischenansagen lässt Biafra den Besserwisser raushängen: Ob Religion, Rechtsradikalismus, Rassismus oder die Reichen – an nichts lässt er ein gutes Haar. Bei der treu eingeschworenen Fangemeinde, die sich rempelnd zu aufrührerischen Klängen im Kreise dreht, rennen plaktive Botschaften offen Türen ein. Weitere harsche Hymnen folgen: Von der Satire ›Holiday In Cambodia‹ über die Gefahren des ›New Feudalism‹ bis hin zum Aufstand (›Riot‹) reicht die Palette an radikal Kontroversem und offensiv Subversivem. Bis zum stürmischen Finale mit erhobenem Zeigefinger wird Jello Biafra nicht müde vor der neuen Weltenordnung zu warnen, in der die Armen und Schwachen von wenigen Superreichen ausgenommen und geknechtet werden.