Hollis Brown …kommen ins Rollen

Hollis Brown

 

Ständig tauchen junge Bands auf, die die neue Version einer Legende sein sollen, nur weil sie den Sound ihrer Vorbilder gekonnt mit einigen Studiokniffs imitieren. Bei den vier Jungs von Hollis Brown aus Queens, New York, sollte man meinen, dass diese Gefahr ganz besonders besteht. Sie singen von sozialer Kälte. Ihr Album RIDE ON THE TRAIN klingt, als hätte man alle Schienen und Highways des amerikanischen Heartland eingeschmolzen und in Tonträgerform gepresst. Zu alledem haben sie sich auch noch nach einem Dylan-Song von 1962 benannt. ›The Ballad Of Hollis Brown‹ handelt von einem Mann, der aus Armut und Verzweiflung seine gesamte Familie und sich selbst erschießt. Derart düster geht es bei Hollis Brown aber nicht zu. „Der Name ist vielleicht etwas trauriger und deprimierender, als wir es sind, aber ich mag die Bildsprache in diesem Song“, so Schlagzeuger Mike Graves.

Doch nein, die Befürchtungen bestätigen sich nicht: Hollis Brown sind keine schnöde Retro-Combo, die einem hohlen Trend hinterherjagt. Sie machen Musik, die 1966 ebenso bedeutsam und zeitgemäß gewesen wäre, wie sie es in den heutigen Tagen zweifelsohne ist. Dass ihre Aufnahmen dennoch danach klingen, als würden sie aus einem längst vergangenen Jahrzehnt stammen, sei für Hollis Brown nie ein bewusst angestrebtes Ziel gewesen. „Wir haben dieses ganze Pro Tools-Ding versucht und alles schön ordentlich und nett gemacht, aber das passt einfach nicht zum Sound der Band und zu dem, was wir sind. Es ist einfacher Rock‘n‘Roll“, erklärt Sänger, Gitarrist und Chefkomponist Mike Montali, der bereits einen Bewunderer sicher hat, nämlich seinen Drummer. „Dieser Kerl ist einer der besten Songwriter, die ich kenne. Es ist echt fantastisch, bei der Entstehung der Stücke dabei zu sein und einen so nahen Blick auf diese Geschichten zu haben“, schwärmt Graves. Dass es nicht bei dem einen Fan aus den eigenen Reihen bleiben wird, ist sicher. Dass es sehr sehr viele mehr werden könnten, ist zumindest wahrscheinlich.